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Journalistin lässt Blog abmahnen, fordert 1.200 Euro Schadensersatz für Textzitate [Updates]

Update 23:50 Uhr Es kam gerade aufgrund dieses Artikels ein erstes Signal der möglichen Entwarnung. Sobald diese offiziell ist, gibt es ein weiteres Update.

Update Freitag mittag: Die Stellungnahme von Frau Schweitzer.

Die ehemalige Unterstützerin der Hausbesetzerszene und heutige Journalistin Eva C. Schweitzer (die hier für die taz „bloggt“) pendelt häufig zwischen ihrem Studio in Manhattan und ihrer Altbauwohnung in Prenzlauer Berg. Ich weiß, das klingt jetzt irgendwie albern, steht aber so in ihrer Biografie.

Was dort nicht steht: Zwischen dem Pendeln bleibt Frau Schweitzer noch Zeit, ihren Anwalt damit zu beauftragen, von einem Weblog 1.200 Euro Schadensersatz für ein Zitat aus einem ihrer Texte zu fordern.

Am 20. Mai 2008 veröffentlichte Philipp im Gemeinschaftsblog nom nom nom einen kurzen Eintrag mit zwei Links zu Frau Schweitzers damaliger ZEIT-Kolumne. Um zu unterstreichen, was ihm an der Kolumne gefiel, zitierte Philipp drei Absätze aus dem Artikel von Frau Schweitzer.

Seit einigen Tagen nun liegt Philipp eine Zahlungsaufforderung nebst zu unterzeichnender Unterlassungserklärung des Hamburger Anwalts Andreas Will vor, der Eva Schweitzer vertritt. 1.200,00 Euro soll Philipp wegen Verstoß gegen das Urheberrechtsgesetz als Schadensersatz an Frau Schweitzer zahlen, an den Anwalt sollen beim angesetzten Gegenstandswert von 21.200,00 Euro weitere 955,00 Euro gehen. Macht eine Gesamtsumme von 2.155,00 Euro.

Das Schreiben das Anwalts betont, dass Frau Schweitzer für namhafte Zeitungen schreibt, durch ihren Zweitwohnsitz in den USA erhebliche Kosten hat und dass sie „vergleichsweise hohe“ Honorare für ihre Artikel verlangt. Gütigerweise würde Frau Schweitzer jedoch in diesem Fall der „Zweitverwertung“ quasi ein Auge zudrücken und sich mit der „Pauschale“ von 1.200,00 Euro zufrieden geben. Frau Schweitzer lasse „durch einen Dienstleister“ Rechtsverletzungen in Bezug auf ihre Texte im Internet recherchieren, im Rahmen dieser „Ermittlungen“ sei man auf das Zitat in Philipps Blog gestoßen.

Außerdem, so das Schreiben weiter, gehe man „erfahrungsgemäß davon aus“, dass Philipp noch weitere Texte von Frau Schweitzer „abgeschrieben“ habe. Dies hätte man durch die „automatisierte Recherche“ zwar noch nicht selbst feststellen können, Philipp könne aber schonmal durch eine Zahlung von zusätzlichen 600,00 Euro pro Text und die Löschung derselben weitere Schadensersatzansprüche abgelten.

Während andere Journalistinnen noch nach dem Sinn von Blogs suchen, hat Eva C. Schweitzer anscheinend einen gefunden. Zumindest für sich und ihren Anwalt.

Eine große Bitte an alle Kommentatoren: Bitte keine Beleidigungen oder ähnliches. Die Sache läuft noch und wir unterstützen Philipp so gut wir können, je sachlicher wir das alle tun, desto besser.

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