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Berlin Fashion Week: Die motz-Survival-Kollektion

In diesem Winter sind bereits 13 Obdachlose in Berlin erfroren.

13 Menschen.
In Berlin.
Erfroren.

Das Berliner Selbsthilfeprojekt motz & Co e.V., die ohne jede staatliche Unterstützung eine Notübernachtung betreiben, eine absolut lesenswerte Zeitschrift herausgeben sowie einen Umzugsdienst und andere Dienstleistungen anbieten, hat am vergangenen Mittwoch die Berlin Fashion Week zum Anlass genommen, um mit ihrer „Survival-Kollektion“, einer Jacke aus Zeitungen, auf sich aufmerksam zu machen und für Spenden zu werben. Was wir sehr gerne unterstützen. Nach dem Klick gibt es die Anzeigenmotive zu sehen, die auch an diverse Berliner Zeitungen gegangen sind, und ein Video zur Aktion.

20 Kommentare

  1. 01

    13 Tote Wohnunglose erfrohen, das ist zu viel.

  2. 02
    MeisterGlanz

    Einer wäre schon zu viel gewesen. Wo leben wir denn hier?

  3. 03
    Käat

    Hier die Nummer des Kältebusses der Stadtmission: 0178-5235838 … das Mindeste, was wir tun müssen.

  4. 04

    Kann nicht verstehen wie es dazu kommen kann das 13 Menschen erfrieren. Kennt jemand denn die Hintergründe? Ist es nicht das was beim „Platte machen“ meistens passiert? Da wird stark alkoholisiert irgendwo eingepennt und dann tragischer weise nie mehr aufgewacht.
    Weiß nicht wie solch eine „motz-Survival-Kollektion“ das verhindern soll!?

  5. 05
    no*dice

    Jeans Team kann da nur helfen!!!!

  6. 06

    @Georg: Die Motz Aktion wird nicht völlig verhindern können, dass Obdachlose im Winter erfrieren, aber sie bietet Hilfe zur Selbsthilfe. Je erfolgreicher das Projekt, umso mehr Menschen in Not werden animiert, da mitzumachen und zumindest versuchen, sich am eigenen Schopf aus dem Dreck zu ziehen.
    Ich kann auch nicht jedes Mal, wenn mir die Zeitung unter die Nase gehalten wird, eine kaufen. Aber ich habe Achtung davor, dass sie eine Gegenleistung bieten anstatt einfach nur zu betteln. Das hat, denke ich, einen nicht zu unterschätzenden positiven Einfluss auf das Selbstvertrauen der in Not geratenen und gibt ihnen das Gefühl, etwas zu leisten und etwas sinnvolles zu tun. Der erste Schritt zurück in ein selbstbestimmtes Leben.
    Von dem Umzugsdienst wusste ich z.B. noch gar nicht und halte ihn für eine hervorragende Idee.

    Die Survival Kollektion ist schlicht und einfach eine Werbeaktion für die Motz und rückt die Situation dieser Menschen in den Fokus. Probleme werden damit natürlich nur mittelbar gelöst.

  7. 07
    elishes

    natürlich finde ich das projekt super, aber den aufhänger „13 tote in berlin“ empfinde ich als arg aufmerksamkeitsheischend. in der regel ist es so, dass obdachlose wissen, wo sie „erste hilfe“ bekommen (in welchen heimen sie übernachten können, warme suppe und medizinische hilfe bekommen…) und trotzdem entscheiden sie sich so oft dagegen und dafür die nacht mit alkohol zu überstehen. oder eben nicht. was wahrscheinlch in 10/13 verhindert werden könnte. auf grund innerer einstellung, meine ich. aber daran arbeitet motz ja wahrscheinlich auch indirekt.

  8. 08

    Zum Organisieren gehört Kraft, Talent und Wissen.

    Ich weis, dass viele Menschen bei Problemen einfach bewegungslos werden.

    Es hört sich so einfach an, wenn man keine Wohnung mehr hat, in ein Obdachlosenasyl zu gehen. Ich denke, vielen steht der eigene Stolz dazu im Wege und es fehlt auch der Mut oder das Know How, zum Jobcenter zu gehen und Hartz IV zu beantragen. Die angestaute Wut macht es den Hilfebedürfigen schwierig mit den Helfenden zu kommunizieren.

    Als gebildeter, selbständiger Mensch denken wir, dass ist so einfach. Aber es ist nicht einfach.

    Ohne entsprechende Verdienstbescheinigungen eines Arbeitgeber bekommt ein selbständig Tätiger nicht mal bei einer Wohnungsgesellschaft eine Wohnung, wenn dem Entscheidungsträger die Bilanz nicht gefällt.

    Ich dachte auch einmal, dass in Deutschland keiner erfrieren und verhungern muss. Aber durch den Kontakt mit Bedürfigen und dem Interesse zu erfahren, warum sie so bedürfig geworden sind, habe ich gelernt, besser zu verstehen.

  9. 09

    @Susanne Haun:
    Von alleine bewegen sich die Menschen denen Hilfe
    und Unterstützung von Staatlicher Seite als Grundsicherung zusteht nicht.

    Richtig erkannt bedarf es Ehrenamtlicher Arbeit.
    Sicherlich auch die der geförderten ‚Massnahmen‘.

    Letztlich kann der Staat froh sein über jeden,
    der seine ihm zustehende Ansprüche nicht abfordert.

    {Missbrauch der Leistungen ist ein ganz anderer Umstand.}

    @PiPi
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wohnsitzlose
    Gehört erneuert bzw. aktualisiert.

  10. 10

    was wäre wenn:

    nachts die autos offen wären?
    nachts einige geschäfte offen hätten?
    man einfach mal so einen obdachlosen auf dem sofa schlafen ließe?
    mehr geld für wärmestuben / helfer ausgegeben würde?

    aber nee. lieber BBB am bebelplatz und so…
    vielleicht ganz gut, dass wir langsam aussterben.

  11. 11

    @sebastian: Wie weltfremd bist Du denn? Nachsts die Autos offen wären? Weil ein Auto ja so viel wärmer ist in der Nacht.
    Kannst gerne Dein Sofa zur Verfügung stellen und dann hier berichten! Mir reicht der Geruch an der Supermarktkasse von dem Obdachlosen in der Schlange vor mir, als das ich das auch auf meinem Sofa bräuchte.

  12. 12

    Als vorübergehend Obdachloser war ich in den 80er Jahren einige Wintermonate in Stuttgart. Ich habe mich nachts in den städtischen Busbahnhof geschlichen und einen Bus aufgemacht, das ging ganz einfach. Dort konnte ich schlafen. Wichtiger als der Schutz gegen den Wind (Kälte) war auch, dass ich dort einigermaßen sicher war vor pöbelnden Passanten. Aber auch vor der Abzocke anderer Obdachloser. Nur eine Nacht hatte ich im Asyl geschlafen, aber die versyffte Bettwäsche war nur eklig, zumal mehrere Leute Läuse hatten und die wollte ich nicht auch noch bekommen.
    Klar gibt es Schutz gegen Kälte, aber auch Obachlose haben bestimmte Grundbedürfnisse, nach Sicherheit und Schutz vor Krankheit.

    @ Georg
    Klar, viele riechen nicht besonders, das kostet schon Überwindung. Ich lasse so einen Menschen auch nicht gleich auf mein Sofa. Aber wenn ich ihn schon in der Wohnung habe, was spricht dagegen, ihn vorher mal duschen zu lassen und seine Sachen zu waschen? Es sind nicht die Menschen die stinken, sondern ihr Situation. Du würdest Dich wundern, was für feine Menschen manchmal hinter der schcmutzigen Fassade auftauchen.

  13. 13
  14. 14
    Michael

    Danke zunächst, dass die meisten Kommentatoren es doch so sehen, dass es sich bei den Erfrorenen um Menschen handelt. das georg so vehement gegen jede Art von Unterstützung schreibt (und wohl auch denkt), zeigt deutlich wie wichtig Aufklärung ist. Natürlich hilft der motz-Mantel nicht vor dem Erfrieren aber er macht aufmerksam. Und die Diskussion ziegt doch, dass genau das gebraucht wird.
    Wenn der Aufmacher: 13 Tote in Berlin, zuviel ist, was ist mit den täglichen Nachrichten über zig tausend Tote irgendwo auf der Welt. Sind die 13 vielleicht zu deutlich, weil sie vor unserer Nase erfrieren?

  15. 15

    @Michael: Hat „Aufmerksamkeit und/oder Aufklärung“ einen vor dem Erfrieren bewahrt? Nein.
    Das 13 zu viel sind finde ich auch, man muss diese Zahl aber doch in den Kontext zu anderem setzten. z.B. wieviele Radfahrer sind _unverschuldet_ dieses Jahr auf Berlins Straßen über den Haufen gefahren worden oder wieviele Leute sind in Berlin an Herz-Kreislauferkrankungen gestorben.
    Dann relativiert sich die Zahl 13 ganz schnell wieder. Ohne das mir jetzt jemand Bitterkeit vorwirft aber ich finde die Zahl relativ gering. Und ja ich habe es kapiert jeder einzelne ist einer zuviel.
    So und nun habe wir alle „Aufmerksamkeit und/oder Aufklärung“ gehabt und was hilft das den Frierenden KONKRET? Wer gibt diesen Menschen eine Perspektive? Das ist doch das eigentlich Dilemma. Das kann nicht die Politik schaffen mit einer Erhöhung von Harz4 oder neuen Schuhen oder einem Bett mit Stinke-Decke.
    Ich kann dann auf der anderen Seite auch nicht beurteilen wie weit ein Alk-Abhängiger von der Realität entfernt ist und sich gar nicht helfen lassen will, bzw. in seinem „Dasein“ dahinvegetieren möchte. Das weiss ich alles nicht. Ich weiss aber das der einzige in meinem Leben der mir wirklich geholfen hat, und der meine Probleme lösen konnte, ich selber war.

  16. 16
    Sabine

    Ich habe gestern erfahren, dass mein Onkel tot aufgefunden wurde. Er war allem Anschein nach Obdachlos, nach meinen Informationen soll er unter einer Brücke gefunden worden sein… ich bin nicht sicher. Die Polizei hat sich wohl bei meiner Tante gemeldet die gesundheitlich auch nicht auf der Höhe ist. Ob ich da wohl mal eine genaue Aussage bekomme? Und wenn, wo? Ich bin schon sehr erschüttert. Das letzte mal habe ich ihn gesehen vor 10 Jahren, da hat er eine Weile bei uns gewohnt, ich bin mit ihm neue Schuhe kaufen gefahren und einige Sachen zum anziehen. Was mich eigentlich am meisten fertig macht ist die Frage, wenn es ihm so schlecht ging, warum kam er nicht zu mir? Ich bin doch nicht weit weg, ich hätte ihm doch geholfen. Ja, er hatte ein Alkoholproblem, ja, er war trotz dessen ein stolzer und sturer Mann, er war hilfsbereit und der kleine Bruder meiner Mutter. Ich habe eine Suchanzeige ins Netz gestellt weil ich ihn schon lange gesucht habe. Leider erfolglos… Jeder Obdachloser der stirbt ist wirklich einer zuviel, aber was kann man machen? Man ist so hilflos.

  17. 17
    journalist

    @Sabine:

    Sehr geehrte Sabine,

    in diesem – zugegeben veralteten Forum – bin ich an Ihrem Kommentar hängengeblieben wegen des ehemals obdachlosen Onkels. Als Redakteurin der Berliner Morgenpost recherchiere ich zu Berliner Angehörigen von Obdachlosen, über die ich gerne eine Reportage machen möchte. Mich interessiert die Frage, wie man mit dem Wissen umgeht, dass ein Familienmitglied auf der Straße lebt.
    Nun ist Ihr Onkel bereits verstorben, trotzdem würde mich interessieren, was sie damals bewegt hat und vielleicht bis heute bewegt? Sofern Sie auch Berlinerin sind – hätten Sie Lust, sich bei mir zu melden? Das würde mich sehr freuen!!!
    Senden Sie eine Mail an sekretariat12@axelspringer.de, Stichwort: che.

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