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England – USA 1:1

Interessant: Frühe Tore, das scheint sich in Südafrika ja einzubürgern. Frühe Favoritentore. Diesmal ein Tor wie im Training: nach einem Einwurf steht die komplette Abwehr der USA auf dem Schlauch, während sich England munter vor dem Strafraum die Bälle zuschiebt. Kaum begleitet von seinem Gegenspieler, darft Gerrard in den Strafraum spazieren. Er hat sofort geschossen, er hätte sogar noch Zeit gehabt, einen kleinen Blumenstrauß zu pflücken für Muttern oder als Mitbringsel beim nächsten Puffbesuch. Aber nein, kein langes Fackeln im Sturm, sondern lieber gleich der Abschluss: Einsnull.

Mit Gerrard kamen die USA überhaupt nicht zurecht; der machte mit seinen Gegenspielern, was er wollte. Abgesehen davon kamen sie ein wenig besser ins Spiel; offensichtlich waren sie am Anfang vom Elan der Engländer überrumpelt worden. Man kann es ihnen nicht verdenken, ist den meisten Amerikanern doch England nur als Heimat von Kate Moss bekannt oder als das Land, in das ihr Expräsident fuhr, um an einem Joint zu ziehen. Und wenn man in die Gesichter der Engländer sieht, ist man selbstredend schnell mindestens vom Alkoholabusus einiger ihrer Stars überzeugt.

Die Amerikaner haben ihren Irrtum schnell eingesehen und sich zu neunt um den eigenen Strafraum gestellt. Hin und wieder durfte aus 35 Metern Dempsey oder Donovan aufs englische Tor schießen, meistens drüber. Bis zur 39. Minute: da kullerte ein Bällchen auf Green, den englischen Torhüter, zu, der warf vor Schreck die Arme in die Höhe und ließ das Bällchen passieren. Ausgleich. Den Ball hätte sogar Frank Moss gehalten, und der ist seit gut 45 Jahren tot.

Aber man muss Green auch ein wenig dankbar sein: es tut gut, wenn Traditionen hochgehalten werden und die sich direkt aus dem Kabarett entwickelte englische Torwartschule keine Angst hat, die Doppelbedeutung von „Tor“ weiter in ihrer Person zu vereinigen. Erinnert sei hier an die fabelhaften Leistungen eines Paul Robinson, dem ein eigenes Kapitel gewidmet ist im großen Buch mit dem Titel „How to score against England“. Ein ausgesprochen witziges Buch übrigens. Man ahnt, man muss als Engländer schwarzen Humor haben, denn ansonsten erträgt man weder Wetter, Essen, den Londoner Mietpegel, die Queen noch die landeseigenen Torhüter.

In der Folge wüteten die Engländer sich nach vorne, aber statt Rooney in aussichtsreiche Positionen zu manövrieren, bekam Heskey den Ball auf den Fuss gelegt, frei vor dem Tor. Hesckey hat die Statur eines Ochsen und ist ähnlich torgefährlich: er zimmerte den Ball direkt in die Hände von Howard. Allein für einen vernünftigen Torhüter würde es sich lohnen, den Frieden von Paris zu widerrufen und in Washington einzufallen.

Als kleinen Vorgeschmack traten und bissen die Engländer ihre Gegenspieler bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Die waren aber kaum zu beeindrucken, sondern konterten munter und furchtlos. Green rettete unter gütiger Assistenz des Pfostens gegen Altindore, während auf der anderen Seite Wayne Rooney sich häufig auf dem Boden wälzte. Den Engländern wurde das alles zu viel: die Flanken kamen nicht, die Pässe verendeten im Niemandsland, wenn Lampard einmal aus der zweiten Reihe schoss, dann flog der Ball höher als weit. Wenn doch einmal was aufs Tor kam, stand da Howard. Und irgendwann fiel ihnen nichts mehr ein.

Keine gute WM für Favoriten bisher. Das kann ja nochmal spannend werden.

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26 Kommentare

  1. 01

    Sag ich doch: Paraguay! ;-)

  2. 02

    schickt ihr mir eine kurze Mail, falls ihr zufällig mal wieder etwas anderes als den Fussballscheiss posted? Dann würde ich euch nämlich gerne wieder in meinen Feedreader nehmen.

    Danke.

  3. 03

    England und Frankreich gehören einfach nicht zu den besten Mannschaften dieser WM . Natürlich sollte man nicht den Fehler machen und nach einem Spiel irgendetwas für das Turnier ableiten. Aber es ist auch nicht so, dass der erste Eindruck immer täuschen muss…

  4. 04
    Buff

    Äh, Blumen beim Puffbesuch?

  5. 05
    Frédéric Valin

    @Buff: Liebevoll Autogramme sind ja schon Usus! Das macht ja schon der Rooney. Da muss sich Gerrard was anderes einfallen lassen.

  6. 06

    @Buff
    Blumen für öffentliche Damen ist super. Die Mädels freuen sich doch auch über kleine Aufmerksamkeiten.

  7. 07

    Übrigens hier bei mellcolm gibt es auch sehr schön das Fußballerleben mal so aus Frauensicht.

  8. 08
    kkaddi

    England wurde als geheim Favorit gehandelt. England hat stark begonnen und wurde immer schwächer zum enden hin. So dass der USA noch den Ausgleich vor der Pause gelang . Durch den Fehler des Englischen Tonwart,der den Ball nicht halten konnte.

    In der zweiten Halbzeit hat USA sich richtige gute Chancen heraus gespielt. Für die USA der erste eine Punkt gegen ein kleiner Erfolg, während für die England ein Fehlstart in die WM war.

  9. 09
    Enjek

    Ich hab ja gehört, dass BP den Green für ihr Bohrloch verpflichten will.

  10. 10
    hm

    Schöner Spielbericht, aber beim nächsten Mal vielleicht vorm Veröffentlichen nochmal durchlesen? Abgesehen von einigen Wortdoppelungen sechs Rechtschreib- und Kommafehler. Muss doch nicht sein.

  11. 11
    J. S.

    @Mart
    einfach nach einem Monat wieder hier reinschauen, dann ist die WM vorbei.

  12. 12
    Martin

    Dennoch: Ich würde die Engländer nicht abschreiben. Ich habe sie noch auf meiner Liste. Ich glaube wirklich, dass wir noch einen großartigen Rooney erleben werden.

  13. 13
    kkaddi

    Ich glaube, das England jetzt nicht mehr weit kommen wird. Wenn die England weiter kommt , schaffen Sie vielleicht noch bis zum Achtfinale . Dafür waren die Engländer gestern Abend zu schlecht gewesen. Nach meiner Meinung hat England , das Spiel leichtfertig aus der Hand geben. dadurchhaben die Enländern, der USA die Chance geben, dass die USA stärker ins Spiel kommen, zu lassen.

    So hätte fast noch die USA das Spiel gewinnen können.England hat langweilig gespielt jedenfalls nach dem Ausgleich. Da wird mehr viel .kommen, von den Engländern.

  14. 14
    Käffchen

    Mal ehrlich. Beim ersten Spiel spaggt doch fast jede Mannschaft total ab. Die einzige Alternative ist: überraschen gut sein. Beides sagt noch nicht wirklich was über den Verlauf der restlichen Meisterschaft aus. Überraschend gut sein ist sogar oft ein Indiz für baldiges ausscheiden.

  15. 15

    @kkaddi:

    „Wenn die England weiter kommt , schaffen Sie vielleicht noch bis zum Achtfinale.“

    Ist das nicht eine Tautologie?

  16. 16
    Frédéric Valin

    @robert: Ein tautologischer Pleonasmus, würd ich sagen.

  17. 17

    Zwei Wörter und ein „haha“: Englische Torhüter haha!

  18. 18

    Der Torhüter von England ist auch nicht gerade der hellste gg. Er hat es zu verantworten das England statt 3 Punte nur 1 Punkt mitgenommen hat.

  19. 19
    johannes

    dafür hat er humor. sagt nach der dopingprobe, er hätte keine leistungsfördernden mittel genommen.

  20. 20
    Bettina

    Die Blogsphäre professionalisiert sich: Es werden TV-Bildschirme für Artikel abfotografiert. Kann man ja fast keinem erzählem…

  21. 21
    Frédéric Valin

    @Bettina: Pssst! Dann sags besser auch keinem!

  22. 22
    Bettina

    @Frédéric Professionelle Reaktion von Dir. Glückwunsch. Der Text war übrigens gut (schon von Dir oder auch abfotografiert?), nur im Bildlichem fehlte Dir (aus Bequemlichkeit?) die Kreativität. Da hätte man was draus machen können. Aber bei den anderen Artikeln glänzt Spreeblick auch nur mit nicht autorisiert „Aggregiertem“. Geb 3 von Deinen bis jetzt 8 flattr gedanklich an einen Kameramann weiter, dessen Arbeit auch abkopiert wird.

  23. 23
    Frédéric Valin

    @Bettina: Ich geb alle meine Flattr Steven Gerrard, ohne den weder mein Artikel noch die Arbeit des Kameramanns existieren könnten. Und natürlich Green. Vielleicht geb ich sie aber auch den indischen Kindern, die die Bälle nähen.

  24. 24
    Björn

    @Bettina Sinnlos. Der ist wie damals schon in Wangen. Jetzt ist er nur ein wenig intellektueller. Begreifen tut er jedoch genauso viel/wenig wie damals. who cares. Dreh Dir einfach noch einen, Freddi.

  25. 25
    Frédéric Valin

    @Björn: Und wer genau bist Du nochmal?

  26. 26
    Bettina

    @Björn
    Achso, dann alles klar.

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