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Kamerun – Dänemark 1:2

Schlechte Vorzeichen vor dem Spiel. Einerseits die wahrscheinlich langsamste Offensive der Welt. Danish Dynamite war mal, gegen die Niederlande hieß das Thema eher Knallfrosch. Tomasson und Grönkjaer haben die Grundgeschwindigkeit eines Kaiserpinguins auf Landgang. Andererseits, Kamerun: eine Abwehr so sicher wie die Rente und einem Trainer, der niemandem hat erklären können, was er spielen will. Vielleicht Boule.

Deswegen hat Eto’o offenbar den Aufstand geprobt und sich selbst in die leitende Position gehievt. Das heißt, in die Sturmspitze. Song und Emana soll er gleich mitaufgestellt haben, munkeln die einen, die anderen sagen, das habe dann der Trainer entschieden. Ganz genau weiß man es nicht, solche Details werden selten ruchbar. Außer bei den Franzosen, da wird lieber mit den Journalisten getratscht als mit dem Mannschaftsrat. Getratscht, sage ich, das klingt so liebevoll: dabei hat Anelka eine seltsame Auffassung von Kosenamen.

Ich hätte gerne mehr schlechte Vorzeichen, wenn dann solche Spiele rauskommen. Beide Mannschaften schissen im Zweifelsfall auf Abwehrarbeit und spielten lieber nach vorne – Dänemark mit einfachsten Pässen, Kamerun ein wenig verschwurbelter. Es war dann allerdings ein sauber und schnörkellos gespielter Pass, der die Kameruner Führung einläutete: allerdings von einem Dänen, von Poulsen. Eto’o bekam den Ball und ließ sich nicht lange bitten, einsnull.

So viel Lust Kamerun in der Offensive hatte, sobald sie sich den Ball mal holen sollten, standen sie da wie ein Rudel Parkuhren. Ein weiter diagonaler Ball auf Rommedahl, und während Ekotto noch auf der Suche war nach seinem inneren Kompass, schob der den Ball in die Mitte zu Bendtner, Grätsche, Ausgleich.

Beide Mannschaften luden sich, als wären sie alte Bekannte und hätten sich an einer Bar festgequatscht, wechselseitig zu Glückserlebnissen ein, Dänemark durch fantasievolle Fehlpässe, Kamerun durch schlichte Zweikampfverweigerung; aber bis zur Pause passierte nichts mehr.

Eigentlich kam Kamerun besser aus Pause: zwei, drei Chancen hatten sie, einen Elfmeter hätten sie kriegen können, fortwährend hielt der Ball sich in der dänischen Hälfte auf. Aber recht entscheidend kamen sie nicht vors Tor, auch weil die Dänen sich entschlossen hatten, die Bälle hinten zur Not auch einmal rauszuschlagen. Oder diagonal zu spielen. Einer dieser Diagonalen fand Rommedahl, eigentlich nicht bekannt für seine elfengleiche Wendigkeit und traumwandlerische Eleganz, tänzelte sich um den wie eingerammt dastehenden Makoun und zog den Ball ins lange Eck. Führung Dänemark, Bendtner freute sich wie Weihnachten.

Danach, na klar, mauerten sie. Und konterten. Tomasson hätte den Sack zumachen können, der braucht aber an schlechten Tagen ein halbes dutzend Chancen, um überhaupt aufs Tor zu treffen; auf der anderen Seite taten die Kameruner es ihm gleich. Als dann doch einmal Webo gefährlich schoss, zog Sörensen schneller als sein Schatten und fischte den Ball aus der Ecke.

Sie kämpften tapfer, die Löwen, und hätten sie so auch schon gegen Japan gespielt, ach. Jetzt sind sie draußen, und nach heute Abend muss man sagen: das ist schade.

9 Kommentare

  1. 01
    Alex

    kein technisch gutes, aber ein sehr unterhaltsames spiel. und vorallem wieder ein ergebnis, was sonst keiner getippt hat :D

    die dänen haben ja echt nur länge bälle gespielt. die abschläge des dänischen torwarts sind öfter bei seinem gegenüber angekommen als bei der eigenen mannschaft.
    aber es hat ja gereicht.

    morgen gibt es auch ein paar spiele, die ein ähnliches potential haben. ich bin guter dinge!

  2. 02
    James Tea Kirk

    Da merkt man ja überhaupt nicht wie die Sympathien verteilt waren.
    **
    Ich hab ja eher unseren Nachbarn die Daumen gedrückt. Und das 1-1 war super raus gespielt und mitnichten „reingegrätscht“. Wenn das Malouda und Titi gemacht hätten, würden hier die Vorteile französischer Spielkunst diskutiert. Dänemark und Holland sollten weiter kommen.

  3. 03
    kkaddi

    Das Spiel zwischen Kamerun und Dänemark hat mir wirklich gut gefallen. Es würde von beiden Mannschaften haben mit viel Leidenschaft gespielt und es hat einem richtig Spaß gemacht es sich an zu schauen.

    Ich habe mich freut dass Dänemark gewonnen hat und so die Chancen hat noch ins achte finale zu kommen. Klar ist es schade dass Kamerun dadurch ausgeschieden ist als erste Mannschaft.

  4. 04
    Frédéric Valin

    @James Tea Kirk: Na, komm. Ein weiter diagonaler, und dann ein genau getimter Querpass: das ist nicht die ganz hohe Kunst.

    Aber die Franzosen wären noch nicht einmal zu so einem Spielzug in der Lage. Denen muss man den Ball an den 5er legen, damit die sich bequemen, irgendwas zu unternehmen.

  5. 05
    James Tea Kirk

    @Frédéric Valin: OK, war jetzt wirklich kein gepflegtes Kurzpassspiel über 5-6 Stationen, aber trotzdem. Schnörkellos und gradlinig, technisch sauber, Superlaufweg von Bendtner und wenn der Stürmer nach einem Spielzug ins „leere“ Tor einschieben kann, muss man ne Menge Gegenspieler ausgespielt haben. Selbst mit einem langen Ball vom Innenverteidiger auf den Außenstürmer in der Spieleröffnung.
    **
    Und Domenech soll endlich Henry bringen ..

  6. 06

    Da sucht man eine von 32 Nationalmannschaften aus – die muss es sein – verwettet sein halbes Leben auf deren Finaleinzug, und dann scheiden diese Nichtskönner als erstes (!) Team in der Vorrunde aus.

    Für mich ist das Turnier seit gestern 22:15 beendet … :(

    *Kamerun-Trikot in den Schrank häng*

  7. 07
    Frédéric Valin

    @James Tea Kirk: Schnörkellos und geradlinig, ja. Ich geb zwar ungern den Spielverderber, aber auch: katastrophal verteidigt da links hinten.

    Jetzt, wo Anelka nicht mehr spielt, wird er Henry wohl irgendwann in der 75. für Gignac einwechseln. Frühestens. Diese Pappnase.

  8. 08
    jo.

    hmmm.. fantasievolle fehlpässe..

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