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Niederlande – Brasilien 2:1


Holland gegen Brasilien. Früher nannte man das einen Leckerbissen, heute erwartet man eher hartes Brot oder aber magere Kost. Weil beide so doll beißen! Und Hunger auf den Titel haben. Genug der kulinarischen Vergleiche, das wird so langsam auch albern.

Brasilien jedenfalls, da sagt man ja immer Samba und Mojito und Hackspitzeeinszweidrei und Küsschen hier und Tunnel da. Man muss sich mal erinnern, 1994, ich weiß, das ist schon einige Vollräusche entfernt. Damals, Carlos Dunga führte ein Regime wie ein etablierter Revolutionsführer, Romario stocherte die Bälle durch den Strafraum, als wärs ein Charitybuffet, und Tafarell verbreitete schlechte Laune unter gegnerischen Stürmern. Da war kein bisschen Glanz und Gloria, außer:

gegen die Niederlande. Damals.

Die ersten Minuten sah es aber eher nach Liegewiese aus: fortwährend suhlte sich der eine oder andere auf dem Boden und schien nach Trüffeln zu wühlen, aber nur die Brasilianer fanden hin und wieder einen Zweikampf, den sie nach Hause bringen konnten.

Ganz ohne Zweikampf fiel dann das 1:0: Felipe Melo zerteilt das komplette orangene Meer mit einem Streich, wenn da noch ein Künstlername fehlt, Moses wäre nicht schlecht. Robinho, das Mäuschen, tappst als einziger dem Ball hinterher, während alle Verteidiger ihm hinterhertappsen, und drischt mit seinem kleinen Füßchen den Ball an Stekelenburg vorbei, ehe der Stekelenburg denken konnte.

Bis dahin war die Niederlande unreif wie Gouda. Bei unreifem Käse hilft es – da wir hier sowieso den ganzen Artikel dem Siebeck Konkurrenz machen – ihn gegen die Wand zu werfen, so lange, bis er läuft. Tatsächlich war das Tor so was wie ein kleiner Wurf an die Wand, Holland wurde stinkig. Mehr war allerdings nicht drin. 00 Sneijder probte die einfachen Diagonalen, während Brasilien seine Konter nicht spielte, sondern – Pfeife im Mund – kombinierte. Bisweilen.

Heute ist nicht alle Tage, vor allem ist heute nicht 1994. Brasilien in Halbzeit eins einen Michelin drüber, die Niederlande fand das Salz nicht. Pfeffer schon, deswegen traten sie hin und wieder einen Gegenspieler um, was man halt so macht, wenn einem nichts mehr einfällt. Und diese Schweine zu dritt, zu viert und zu fünft Robben in kleine Filetstückchen zerhacken.

Halbzeit. Hab ich einen Hunger.

Es gibt die Theorie, dass Holland deswegen auf engem Raum normalerweise derart gut auf kleinem Raum kombiniert, weil ihr Zwergenreich so klein und überbevölkert ist: da ist das Kurzpassspiel als kleinteilige Lösung quasi Ausdruck einer nationalen Beengtheit. Wenn dem so ist, dann stellte Brasilien selbst diese kleinen Räume mit Sperrmüll voll, dass kein Auto mehr in keine Garrage passte. Robben und van Persie standen sich auf den Flügeln aber derart gegenseitig die Füße breit, dass sie nie wieder durch die Tür des Elternhauses passen dürften.

Und dann schläft Brasilien den Schlaf der Gerechten. Sneijder haute wieder einen Ball diagonal in die Manege, als hätte er geahnt, dass Julio Cesar durch den Strafraum irrt, als wäre er auf der Suche nach Kleopatra. Aber da war nicht Kleopatra, sondern Felipe Melo, sie küssten sich und ließen den Ball Ball sein, der fröhlich ins Netz trullerte. Ausgleich.

Das kannte Brasilien noch nicht: Gegenwehr. Das fanden die kein bisschen komisch. Die wirkten plötzlich verbissen wie, nunja, wie Lucio, wenn er zu Hause die Zahnstocher nicht findet. Die kurzen Pässe wirkten plötzlich hingekotzt, und ständig trat ein Holländer rein. Die Kombinationen kamen nur noch bröckchenweise: von so viel Selbstverausgabung völlig neben sich stehend, rührte sich die Innenverteidigung bei einem Eckball weniger als Kader Loth beim perfekten Promidinner, und Sneijder hielt den Kopf dagegen. Führung Niederlande, von wegen 00 Sneijder. 2.0 Sneijder vielmehr.

Kurz drauf rechtfertigte Robben seine Präsenz auf dem Platz, indem er sich von Melo nachtreten ließ: Rote Karte Melo, die Niederlande roch den Braten. Brasilien währenddessen kochte. Oder schäumte.

Eher schäumte. Ein paar Schaumschläger waren das, die sie noch im niederländischen Strafraum unterbringen konnten. Aber obwohl weder Robben noch van Persie kaum vorkamen (und wenn, dann nur als letzte Anspielstation vor Ballverlust), wussten zehn Brasilianer gegen neun Niederländer nichts auszurichten.

Denn, und jetzt kommts: sie hatten kein Rezept.

Brasilien, mein Favorit (seit der ersten Runde, den anderen verrate ich nicht), ist draußen. Nicht im Sinne von: aus dem Häuschen. Sondern im Sinne von: nach Hause.

(Überschätzt mir bitte trotzdem nicht die Niederlande. Dass die das gewinnen, ist mehr Glück als Verstand.)

21 Kommentare

  1. 01
    joho

    schalali schalala ich freu mich für die niederlande!!!
    mein traumfinale niederlande vs deutschland!!

  2. 02
    Matte

    huii war das ein schönes Spiel, und schön aufregend, der Kopfball vom Snijder war echt sehenswert, das war kein Glück sondern Können!!

  3. 03
    Alex

    brasilien ist dieses jahr irgendwie eine furchtbar unsympathische mannschaft gewesen, deswegen finde ich das ausscheiden jetzt auch nicht so tragisch.
    das handtor, das ständige lamentieren, heute das nachtreten. und der fussball im allgemeinem…

    der sieg der niederlande war jetzt nicht zwingend, aber auch nicht wirklich unverdient.

    aber im endeffekt hat man wahrscheinlich schon etwas mehr erwartet.
    mal sehen, was das andere spiel heute abend bringt.

  4. 04

    Schneller Artikel, ist doch gerade erst passiert ^^

    na ja, ich hab echt gedacht brasilien bringts… also… waldmeister… aber jetzt…. niederlande? waren die schonmal?
    hab eh das gefühl gehabt, die haben sich mehr gekloppt als gespielt aufm feld :)
    tja so kanns kommen, jetzt ist braslien raus und net mal ins halbfinale gekommen

  5. 05
    joho

    @FF14: niederlande war noch nie weltmeister.

  6. 06
    Frédéric Valin

    @FF14: ZWeimal Vize, 74 und 78. Davor noch nie im Halbfinale. Danach auch nicht.

  7. 07
    joho

    alos neiderlande steht auf jedenfalll mit einem bein im finale.ghana und urugay sind schlagbar.
    und wenn deutschland nicht ins finale kommen sollte(gegner:argentinien und beim weiterkommen spanien!),drücke ich niederlande die daumen im finale.

    go holland go!

  8. 08
    joho

    kleiner nachtrag: beim weiterkommen gegen spanien,weil ich glaube,dass die morgen gegen paraguay gewinnen werden

  9. 09
    xconroy

    Ne, ne, ne. Das war nicht Glück. Das war ein bißchen Verstand, ein bißchen Technik und eine Menge Kampfgeist. So wie Chile (seufz), nur mit mehr Plan.
    Und mit Kujit, einem der unterschätztesten Spieler der Welt (muß auch mal gesagt werden). Daß er möglicherweise das einzige real existierende Perpetuum Mobile ist und gar nicht mit den anderen mitgeflogen, sondern von Liverpool nach Südafrika gerannt ist, das weiß man ja. Aber er kann selbst im ackerndsten, schnaufendsten Kämpf- und Wühlmodus immer noch den Ball kontrollieren, und diese Form von Multitasking scheint eher selten zu sein, die meisten können nämlich nur eins gleichzeitig.

  10. 10

    Falsch, mein lieber Fred. 1998 im Halbfinale gegen Brasilien.

  11. 11
    Frédéric Valin

    @Trainer Baade: Ah, verdammt. Das hat mein damals endorphingeflutetes Hirn natürlich verdrängt. Aber der Trainer, der hat halt immer recht.

  12. 12
    cmi

    Ich hab vorher für die Niederlande gehofft und sogar beim Tippspiel drauf gesetzt. 2 Punkte – dankeschön!

    Brasilien finde ich oftmals (wie auch dieses Jahr) sehr unsympathisch und mit dem „Hey wir sind Brasilien und dein Name interessiert mich nicht“-Schild wedelnd.

    Dazu die „Arbeit“ in der Vorrunde – da drücke ich dann lieber dem Unterdog die Daumen. Hat ja geholfen. :)

    Und statt der roten Karte hätte es gleich 3 oder 4 davon geben sollen. Für diesen einen Spieler und dieses eine Foul.

  13. 13
    lars

    @autor: wie wäre es, wenn du statt deiner kleinen sticheleien gegen die niederlande nochmal in die schule gehst und den unterschied zwischen „holland“ und „niederlande“ lernst?

  14. 14
    Kommentator

    Stehen ein Franzose, ein Italiener, ein Engländer und ein Brasilianer am Flughafen. Sagt der Engländer: „Laßt uns noch auf den…“
    Ach nee, noch nicht. Man soll den flachen Witz nicht vor dem Samstag loben.
    (Hölle, ist das eine WM. Die selbst- oder von „Experten“ ernannten „Favoriten“ machen es spannend durch Ausscheiden. Ich liebe es.)

  15. 15

    Immer schön ausländischen Kommentaren zo lesen. Wenn es möglich ist… bitte schlagt Ihr den Argentinier und Spanien / Paraguay. Joho, warum sollte Deutschland NICHT im Finale kommen? Ein Finale Niederlande – Deutschland is mein Traum. Damit ich endlich seit 1974 sagen kann: Spreeblick, du hast unrecht: Es ist nich nur mehr Glück als verstand… die Niederlande wird Weltmeister.
    Viel Spass und Glück und biss den 11. Juli!

  16. 16
    stef

    wer diese wm gewinnt ist mutmasslich korrupt.

    deutschland hüte dich.

  17. 17

    HUP HOLLAND HUP!

  18. 18
    kkaddi

    Was für ein schönes verrücktes Fußballspiel.Da lag Niederlande zur Pause, mit 1 : 0 zurück und hat in der Zweiten Halbzeit innerhalb von zehn Minuten das Spiel gedreht und das Spiel verdient gewonnen mit dem 2 : 1.

    Die rote Karte die, der Brasilianer Spieler bekommen hat, war wirklich zu recht. So was geht ja Garn nicht einen gegen Spieler noch mal nach zu treten der schon auf Boden liegt.

  19. 19

    @joho: Ja, das hoffe ich auch. Und Holland wird natürlich gewinnen. :) Drücke jedenfalls die Daumen (naja, nicht wirklich, ist nur ne sprachliche Floskel, aber Ihr wisst, was ich meine).

  20. 20

    @Fabian: Gestern habt ihr Argentinien fussballunterricht gegeben… sonntag den 11. Deutschland – Niederlande im Finale. Spanien is schlagbar!!

  21. 21

    00 Sneijder! Muaha!

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