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Bundesliga 4

Thomas Müller kommt nur in zwei Zuständen vor: entweder er läuft oder er lümmelt. Auf dem Spielfeld läuft, vor der Kamera lümmelt er.

Allein schon dieser breite Mund. Wenn Thomas Müller ein Interview gibt, muss man fortwährend auf diesen breiten Mund starren. Ein Mund, mit dem man nur grinsen kann, nicht lächeln. Ein Mund, dessen einer Mundwinkel meistens nicht weiß, was der andere tut, weil sie viel zu weit auseinanderliegen. Ein Mund, der völlig unkoordiniert durch das Gesich flattert, und trotzdem sieht Müller nicht aus wie von Picasso gemalt. Trotzdem ist alles an seinem Platz.

Es ist genau diese Mischung aus anarchischer Unordnung und Koordination, die Thomas Müller auszeichnet. Genau diese lässige Selbstverständlichkeit.

Man hat Thomas Müller oft etwas Lausbubenhaftes zugeschrieben. Da ist sehr viel dran. Nicht so sehr, um seine Unbekümmertheit herauszustellen, sondern vielmehr seine Staksigkeit. Seine unbeholfenen Bewegungen. Wenn Thomas Müller auf seinen dünnen Beinchen zum Spurt ansetzt, sieht es immer so aus, als liefe der ganze Apparat unrund, als würde Schulterpartie nicht zu den Knien passen, als würde gleich ein Hüftgelenk ausgekugelt. Als käme da ein Mensch ins Kullern stand ins Spurten. Man möchte ihm sofort hinterherrufen: „Junge, haste nicht was vergessen?“ Ein Sprunggelenk zum Beispiel. Als wäre er noch mitten in der Wachstumsphase. Es wirkt alles so unbeholfen, bis Müller eindeutig wird.

Denn auch das kann er. Wenn Thomas Müller schreit, dann schreit das ganze Gesicht. Klafterweit öffnet sich die Mundspalte, man hat sofort den Eindruck, der sei bei Southpark ein Kanadier. Das letzte Mal geschrien hat er gegen die Roma. Da hatte er gerade den Ball in ein kleines Fitzelchen Eck hineingedreht, das ihm die Abwehr zur Verfügung gestellt hat. Eigentlich war da gar kein Platz, aber Müller hat ihn trotzdem gefunden. Eigentlich darf man diesen Ball gar nicht versuchen, aber Müller hat ihn trotzdem einfach mal gemacht. Wird schon schiefgehen, bei Müller geht schließlich alles schief und quer.

Und am Ende geht doch fast alles gut. Fast immer.

„Ich hab halt gehofft, dass der da reingeht“, hat er hinterher im Interview gesagt. Und dabei gegrinst. Mit dem rechten Mundwinkel. Nur mit dem rechten Mundwinkel.

7 Kommentare

  1. 01
    Irreversibel

    Und?

  2. 02
    ballerer

    nix und. kleine liebeserklärung an einen klasse fussballer und typen, nichts weiter.

  3. 03
    ballerer

    nix und. kleine liebeserklärung an einen klasse fussballer und typen, nichts weiter.

  4. 04
    max

    Hm mit Berichterstattung bzw. dem Kommentar zum BL Wochenende, hat das aber nicht viel zu tun. Eher versuchte Karikatur, nur ohne Bild. Eine andere Überschrift wäre da passender.

  5. 05
    handzon

    Ist ja außer Müller nich‘ so viel passiert…
    *hust* sieben *hust*

  6. 06
    Chris

    Da spielt der nach Spreeblick-Vorhersage „bipolarste“ Verein der Liga nach drei Niederlagen ein 7:0 gegen Gladbach, und ihr schreibt unfassbare 2000 Zeichen über das Gesicht von Thomas Müller.

  7. 07

    Der Junge bringt Kreisliga-Ästhetik auf die große Fußballbühne. Der sieht immer aus als hätte er 4 Knie und 5 Ellbogen und gestern noch dem Schwager den Rohputz gemacht. Aber genau dieses Spiel ist im modernen Fußball halt was besonderes und meist sehr effektiv.

    Danke für den Text, der Müller ist ein Phänomen, was man gerne mal beleuchten kann.

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