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In Injection, einer Comic-Serie von Warren Ellis, Declan Shalvey und Jordie Bellaire, treffen wir eine Gruppe von exzentrischen Expertinnen und Experten in den Feldern der Physik, Spionage, Mythologie, Logik und Informationstechnologie, die versehentlich eine Art Virus in die Welt gesetzt haben. Und natürlich sind sie die einzigen Menschen, die dagegen auch wieder vorgehen können.

In einer frühen Szene im Buch, einer Art Kennenlernrunde der Protagonisten, erklärt Brigid, wie sie einmal eine Maschine erschaffen habe, die bei der Menschheit nicht besonders gut angekommen sei. Diese Maschine war so smart wie ein Mensch, verhielt sich aber nicht so. Denn, so Brigid: „Es gibt keinen Grund dafür, dass sich eine Maschine von der Klugheit eines Menschen auch wie einer benehmen sollte“.

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Pokémon Go ist in vielen AppStores der Welt nicht erhältlich, denn die Server sind überlastet. Das Spiel, das „echte“ Pokémon in unserer physischen Umgebung platziert und sie via Augmented Reality über die Kamera auf dem Screen des Smartphones anzeigt, sorgt derweil bei denen für Furore, die beim Download mehr Glück hatten. Auf Twitter wird von Menschengruppen in Parks und an anderen öffentlichen Orten berichtet, die auf ihr Smartphone starrend auf der Suche nach Pokémon sind, um diese einzusammeln, zu trainieren und gegeneinander antreten zu lassen.

Pokémon Go schafft das, was besorgten Eltern von Smartphone-Kids in den letzten Jahren nicht gelungen ist: Das Spiel treibt Kinder wieder mehr nach draußen. Auch, wenn sich viele das sicher etwas anders vorgestellt haben. Tatsächlich sehe ich am Morgen an vielen Stellen Berlins nicht nur Jugendliche, die ihr Smartphone vor sich halten und es pokémonsuchend schwenken.

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Im Zuge der kürzlichen, furchtbaren Ereignisse in Minneapolis und Louisiana, bei denen zwei schwarze Menschen von Polizisten getötet wurden, kam es zu Demonstrationen in Dallas, Texas. Dabei wurden fünf Polizisten von einem 25-jährigen Afro-Amerikaner namens Micah Xavier Johnson erschossen. Johnson hatte sich nach seinen Angriffen in einem Parkhaus verschanzt, wo er von einem Polizei-Roboter getötet wurde. Die Maschine, die eigentlich der ferngesteuerten Entschärfung oder kontrollierten Detonation von Bomben dient, wurde ins Parkhaus gesteuert, dort tötete sie den Täter durch eine Explosion.

Es ist der erste Fall in der Geschichte der USA und wahrscheinlich weltweit, bei dem ein Tatverdächtiger bei einem Polizeieinsatz durch einen Roboter getötet wurde.

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Willkommen in der Zukunft.
Sagt nicht, man hätte uns nicht gewarnt.

10 Kommentare

  1. 01

    Ich finde die Aussage „wo er von einem Polizei-Roboter getötet wurde.“ falsch.

    Denn somit müsste man auch sagen “ wo er von einer Polizei-Pistole getötet wurde.“.
    Dem ist richtigerweise nicht so, denn ein Mensch hat die Entscheidung getroffen und nicht der Robotter.

    Soweit sind wir zum Glück noch nicht, dass so eine Entscheidung uns weg genommen wird. Da kommen wir hoffentlich nie hin und dies muss schnellstmöglich geregelt werden.

  2. 02
    gondor

    Sorry, aber ich sehe keinen Unterschied zwischen einem ferngesteuerten Roboter am Boden und einer ferngesteuerten Drohne in der Luft. Beides sind ferngesteuerte Tötungsmaschinen die (noch) keine eigene Entscheidung treffen. Das einzig „Neue“ an dem „Ereignis“ ist der Einsatz durch die Polizei im Inland statt durch Militär im Ausland. Andererseits auch nicht verwunderlich bei der zunehmenden Militarisierung der US Polizei durch die Möglichkeit günstig gebrauchte Militärausrüstung erwerben zu können.

  3. 03
    Armin

    Ich kann ehrlich gesagt der „Aufregung“ um den Roboter auch nicht ganz folgen. Der Roboter war ein Geraet, eine Vorrichtung, ein Gegenstand vergleichbar mit Pistole, einem Gewehr, einer Drohne oder einem Auto. Der Roboter hat keinerlei Entscheidung getroffen, sondern war einfach nur das Ausfuehrungsgeraet fuer den Willen eines Menschen.

    Die einzige Frage die gestellt werden sollte ist warum der Taeter getoetet werden musste (das Mittel ist irrelevant), warum konnte der nicht einfach ausgehungert oder sonstwie kampfunfaehig gemacht werden?

  4. 04
    nixda

    ja, tötungsgeräte treffen keine eigenen entscheidungen; irgendwo ist immer ein mensch verantwortlich.
    es gibt aber diesen wesentlichen unterschied (im artikel toll zusammengeschnitten und damit pointiert auf den punkt gebracht):
    weder bei tötungen per drohne noch per roboter steht der schütze noch angesicht zu angesicht mit seinem opfer; es gibt keine direkte interaktionsmöglichkeit mehr.
    und werimmer von euch (wie ich) jemals eine schussbereite waffe in der hand oder gar im anschlag hatte weiss, welchen verdammten unterschied das macht.

    (so. ich erschlage jetzt pokémons. eigenhändig. vielleicht rettet das die welt.)

  5. 05
    jst

    ich persönlich verstehe drohnen auch als roboter. insofern kann ich die aktuelle aufregung der medien in bezug auf den dallas-einsatz nicht ganz nachvollziehen. drohnen sind doch auch fliegende roboter – oder etwa nicht?

    aber ansonsten ist ja viel wichtiger: hier regt sich gerade wieder was. ;-) freut mich!

  6. 06
    Martin

    Zwischen Drohnen und Polizeiroboter keinen Unterschied zu sehen, halte ich für unangemessen augenverschließend und verallgemeinernd. Auch wenn dahinter vielleicht eine gute Absicht steht („Ich bin gegen jede Art von Tötung, vor allem mit Maschinen“ o.ä.).

    Erst wenn man einen Unterschied macht, kann man Grenzen ziehen, die ja hier offensichtlich gefallen sind. Wenn alles keinen Unterschied mehr macht, dann sind wir irgendwann beim absichtlichen Nicht-Wissen-Wollen mit dem Symptom des Achselzuckens.

    Ich habe jedenfalls genug Verstand und Fantasie, um „nixda“s Kommentar nachzuvollziehen. Mal abgesehen davon, dass ethische Fragen nicht deshalb nicht erörtert werden, weil man Angst vor Aufregung hat. Vielleicht erleben wir in Wahrheit viel zu wenig echte und dafür zu viel mediale Aufregung.

    Die erste echte KI wird nur deshalb menschenähnlich, weil beide sich auf ein IQ von 60 einpendeln.

  7. 07
    Gondor

    @Martin: Der einzige Unterschied für mich liegt wie gesagt „nur“ im zivilen Einsatz im Inland durch die Polizei statt des militärischen im Ausland. Die (moderne) Ethikfrage, wenn man bei Krieg überhaupt von Ethik reden darf, in Bezug auf Ferntötung durch Einzelne ist indessen spätestens seit dem Abwurf der Hiroshimabombe durch den damaligen Piloten „auf dem Tisch“. Institutionen wie z.B. Militär oer einer (militarisierten, amerikanischen) Polizei geht es aber weniger um Ethik denn um „Machbarkeit“ und „vorzeigbare Ergebnisse“. Besonders in den U.S.A. ist die Gesellschaft schon immer durch ein chauvinistisch/patriotisches Weltbild und eine (durchgehende) Politik der Angst geprägt. Insofern wundert es mich eher dass dort bei all dem „Fortschritt“ im Waffenbereich und dem Einfluss z.B. der NRA längst nicht noch viel mehr etabliert worden ist.
    Wg. Artikel (Pokemon Go):
    Bin ich der Einzige der in’s Grübeln kommt wenn Menschen sich (mittlerweile) per App nicht nur freiwillig zur Freigabe aller privaten Daten bereit erklären sondern auch zu direkten Aktionen im RL (fern)steuern lassen? Noch ist es „nur ein Spiel“. Der „Erfolg“ dieser App gibt mir mehr zu denken als der „Polizeiroboter“-Vorfall.

  8. 08
    Armin

    @nixda: Willst Du mir ernsthaft erzaehlen beim Scharfschuetzen der teilweise mehrere hundert Meter entfernt ist steht sich jemand Angesicht zu Angesicht gegenueber? Willst Du mir ernsthaft erzaehlen wenn sich Schuetze und „Boesewicht“ irgendwie verschanzt haben und gegenseitig beschiessen gibt es mehr direkte Interaktionen? Und wenn wir auch den Militaerfall mit einbeziehen, willst Du mir ernsthaft erzaehlen wenn die Soldaten da ein paar Raketen auf den Gegner rueberschiessen stehen die sich von Angesicht zu Angesicht gegenueber?

    Ich glaube stark Du hast da eine arg romantische Wildwest-Vorstellung von den ehrenhaften Kaempfern die sich im Duell gegenueber stehen.

    Und, ja, ich habe gedient.

  9. 09
    h s

    @04 Der Schusswaffeneinsatz der US-Polizei demonstriert ja perfekt, dass das direkte Gegenueber keinen Unterschied macht: idR erschiessen die Leute auf kurze Distanz…

  10. 10
    shpongle

    @Armin: Speziel bei Scharfschützen scheint die ‚gefühlte‘ Nähe zum Opfer ein echtes Problem zu sein, dass bei einem ’normalen‘ Soldaten so eher nicht auftritt. Aus Wikipedia:
    >>Beispielsweise lernt der Schütze während einer Observation, die Stunden oder Tage dauern kann, das Ziel mit all seinen menschlichen Eigenheiten (Lachen, Essen und anderen Dingen des normalen Lebens) kennen und kann dessen Mimik sehen. Gleichzeitig stellen die beobachteten Personen keine persönliche Bedrohung dar und wissen im Normalfall nicht von der Gegenwart des Schützen. Dabei kann eine Subjektivierung einsetzen, bei der die Zielperson zu einem Menschen wird, den man zu kennen glaubt. Deshalb soll der Schütze fähig sein, auch bei Individualisierung der Zielperson abzudrücken, ohne dabei übermäßig unter dem von ihm verursachten Tod des getöteten Menschen zu leiden. Nicht selten ist wegen dieser Individualisierung psychologische Betreuung nach einem Einsatz erforderlich.<<
    https://de.wikipedia.org/wiki/Scharfsch%C3%BCtze#Psychologisches_Anforderungsprofil

    Das selbe Problem scheint sich übrigens auch bei Drohnenpiloten zu manifestieren.

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