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Blus Stop-Motion-Graffiti, Creative Commons und kommerzielle Websites

Als ich vor einer Weile hier auf Spreeblick Blus Stop-Motion-Graffiti postete, fragten einige Leute zurecht in den Kommentaren nach der CC-Lizenz, die eine kommerzielle Nutzung ausschloss und verwiesen korrekterweise darauf, dass Spreeblick ja ein kommerzielles Blog sei. Die zentrale Frage war: „žAb wann ist eine Website eigentlich kommerziell?“ Genau diese Frage stellt sich Creative Commons derzeit selbst und hat eine Umfrage zum Thema gestartet (via BoingBoing). Meiner Meinung gibt es darauf mehrere Antworten. Die Fundi-Antwort: Sobald irgendeine Werbung geschaltet wird. Die pragmatische: Sobald nennenswerter Umsatz generiert wird. Die laxe: Sobald bekanntere Unternehmen involviert sind. Ich persönlich tendiere ja aufgrund meines Charakters zur laxen Antwort, verstehe aber, dass andere das anders sehen. Und deshalb fragte ich einfach den Künstler selbst.

Hi Guys, first: thanx for the totally awesome work with that new animation. totally freaks me out everytime i watch this.

anyways, the usage of the animation on, well, every blog around has risen some questions regarding the CC-Term: „žcommercial use“. just give this article a quick shot: http://www.prototypen.com/blog/falk/archive/002217.html

i also used the Animation on my blog, although you could consider it as commercial (there is no advertising yet, but in a few days [Anm.: die Mail ist einige Monate alt, mittlerweile befindet sich sehr wohl Werbung auf Nerdcore] and i’m a german blogger which doesnt make me rich, but i earn money with it, not just this blog but several blog-projects)

http://www.nerdcore.de/wp/2008/05/19/blus-graffiti-stop-motion-mindfuck/
http://www.spreeblick.com/2008/05/14/blus-graffiti-stop-motion-mindfuck/

i was just asking myself if you maybe have some thoughts about this? do you consider a successfull blog like boingboing or mine as commercial?

Und hier Blus uneditierte Antwort mit einer (nicht ganz so, dann aber doch irgendwie) eindeutigen Meinung:

Hi René
thanks for asking

the cc license on Muto was a kind of experiment
I consider commercial every website that has advertising on it because you get money from that (especially those big blogs like boing boing)

anyway to be honest I am not really worried about this usage as soon as they publish Muto using the embed player from youtube or direct linking at my website. that’s why I wrote „without the artist permission“, I wanted people to ask me about what kind of usage they would do and i mostly gave permission to everyone under the following conditions: „if you want to publish Muto please use the embed player from youtube (or vimeo) don’t put any logo or advertising on it, thanks.“

what I was worried about is the editing and the usage of muto for advertising videos or other logos superimposed on the videos, which is clearly a loss of respect on the author and the work and also the editing and usage of it on televisions. i really hate television, especially at this moment when most of them are fighting against youtube or similar for their copyrights on one side and on the other side they steal contents from internet without asking anyone’s permission, to fill up their silly tv programs.

unfortunately i had examples of broken cc license on both cases.
– commercial websites who put their logo on my animation
– tv channels that changed and used muto for their own purpose without asking anything

i was really surprised that people wrote me to point me to these cc violations and i am really glad that other internet citizens are helping each other in defending our choices.

I am now asking to remove all those contents on clear violation of the cc license. I am not really worried about the editing restrictions violation, but when the edit is done for commercial usage that really upset me because I see that it is usually done by „big names“ of internet or tv.

ciao
blu

Wenn ich Blu nun richtig verstehe, juckt es ihn weniger, wenn Blogs wie Spreeblick oder BoingBoing seine Videos über den Youtube-Player einbinden, er hat aber sehr wohl ein Problem damit, wenn Websites ihr Logo auf seine Animation legen oder gar TV-Sender seine Arbeit verwursten. Das sehe ich ähnlich. Aus der Definition von „žKommerz“ auf Wikipedia:

Kommerz (v. latein commercium „žHandel, Verkehr, Austausch“) ist im Vergleich zum Handel ausschließlich auf finanzielle Gewinne bedacht, die durch Produktion und Verkauf von Gütern entstehen. Als „žkommerziell“ bezeichnet man Unternehmungen jeglicher Art, deren Motivation und Zweck die direkte oder indirekte wirtschaftliche Gewinnerzielung sind. Das Wort kommerziell bedeutet 1) Wirtschaft und Handel betreffend, auf ihnen beruhend; 2) Geschäftsinteressen wahrnehmend, auf Gewinn bedacht.

Wenn man etwas kommerzialisiert, so ordnet man es den wirtschaftlichen Interessen unter.

Der Begriff Kommerz wird auch häufig im Zusammenhang mit einigen Musikstilen verwendet. Dabei soll das Wort „Kommerz“ abfällig verdeutlichen, dass diese Musik nicht um der Musik, sondern nur des Geldes wegen produziert wurde.

Kommerzielle Nutzung ist die geschäftliche Nutzung, um daraus Gewinn zu erzielen. (Wikipedia)

Aus diesem Zitat stelle ich mir nun folgende Fragen: Habe ich Blus Stopmotion-Graffiti-Video gepostet, um darauf Gewinn zu erzielen? Um damit Geld zu verdienen? Habe ich Blu meinen wirtschaftlichen Interessen untergeordnet? War der „žZweck“ des Videos eine wirtschaftliche Gewinnerzielung? Alle Fragen kann ich ruhigen Gewissens mit „žNein“ beantworten, der Zweck des Videos war ausschließlich, den Lesern ein wunderbares WTF-Video zu präsentieren, die Motivation „žGeld“ spielt dabei genau keine Rolle. Was einen dazu bringt, darüber nachzudenken, ob in kommerziellen Blogs nicht eine neue Form der Kommerzialität entsteht. Eine Aufmerksamkeits-Ökonomie, die man ja bereits mit dem Ende des Dotcom-Hypes totgeschrieben hatte, die aber trotzdem keine Ruhe geben will.

Ich habe das alles andere als zu Ende gedacht, aber immerhin soweit, dass ich der diffusen Meinung bin, dass man kommerzielle Websites, die als private Projekte gestartet sind und die, wenn man mal ehrlich ist, auch nicht so viel anders machen, als vor ein paar Jahren, in ihrer Kommerzialität anders bewerten sollte. Nur wie, da bin ich mir nicht sicher. Thoughts, anyone?

Noch ein paar Gedanken zum Thema von Johnny: Spreeblick ist seit dem Moment, an dem wir Werbung zuließen, ganz klar ein kommerzielles Weblog, was u.a. dazu führte, dass wir nur CC-Fotos mit erlaubter kommerzieller Nutzung verwenden bzw. in anderen Fällen das Einverständnis der Urheber einholen. Natürlich sehe ich auch einen Unterschied zwischen Produkten oder Projekten, die mit ausschließlich kommerziellen Interessen gestartet sind und bei wirtschaftlich schlechter Lage eingestellt werden und Projekten, die eine völlig andere Grundmotivation haben (wie Spreeblick).

Die Frage ist aber meiner Meinung nach viel mehr, wo eine kommerzielle Nutzung eines Werkes Dritter beginnt.

Der einfache, eindeutige Fall: Ich nehme das Video eines Dritten und vertreibe es auf einer DVD voller anderer Videos, deren Erlös allein mir zugute kommt.

Der nicht ganz so klare Fall: Ich zeige das Video mit Angabe des Autors auf einem Blog (die nicht nur dieses Video zeigt), daneben erscheint Werbung, deren Einnahmen mir zugute kommen. In diesem Fall (Spreeblick) sehe ich die Nutzung des Videos als Bericht über das Werk und den Urheber, auf den ich verweise. Weder verkaufe ich in diesem Fall das Video noch nehme ich „Eintritt“ für die Vorführung. Trotzdem ziehe ich durch die Nutzung des Videos, wenn auch indirekt und marginal, kommerziellen Nutzen daraus.

Der noch schwierigere Fall: Mein Blog hat keinerlei Werbung, ich zeige das Video neben vielen anderen, verweise auf den Urheber. Mein Blog zieht Besucher an, meine dargebotene und vorhandene Expertise in Sachen Online-Videos macht mich zum Vortragenden und Berater und ich verdiene Geld mit dieser Tätigkeit, mein Blog ist meine Visitenkarte, mein Job-Generator. Nutze ich das Video kommerziell oder nicht?

Ich betrachte die Urheber als wichtigste Instanz, die allein die Entscheidung fällen sollten (es ist bisher noch nie vorgekommen, dass ein Urheber, den wir um Erlaubnis gebeten haben, sein Werk nicht auf Spreeblick sehen wollte). Eine gültige allgmeine Definition wäre aber speziell hinsichtlich CC fein und wichtig, doch die braucht viel Gefühl: Ich habe bspw. überhaupt nichts dagegen, wenn Blogs mit Werbung mal einen ganzen Artikel von Spreeblick nutzen, solange das Blog nicht komplett aus unseren Artikeln besteht und man sehen kann, dass die Autoren auch eine Menge eigenen Content produzieren. Wenn aber nur Spreeblick-Artikel in einem Blog auftauchen und daneben Banner prangen, dann schreibe ich eine kurze Mail mit Bitte um Unterlassung.

Es braucht eine möglichst einfache Definition, Ideen wie die Frage nach Gewinnen (im Gegensatz zur reinen Kostendeckung, also eine Definition nach dem Motto: „Wenn Gewinne erzielt werden, ist es kommerziell, wenn nur Kosten gedeckt werden, dann nicht.“) landen bei einem Finanzamt-ähnlichen Verwaltungsaufwand und laden ebenso zum Betrug ein – sind bspw. Autoren, die ein Honorar für ihre Arbeit erhalten, Gewinne oder Kosten?

Und noch mehr: Spreeblick verdient an Werbung, ausschließlich davon leben können aber alle Autoren zusammen keineswegs. Das passiert eher über Jobs, die reinkommen: Artikel auf kommerziellen Blogs, Vorträge, Websites bauen. Diese Jobs kommen aber durch Spreeblick zu uns. Und nun?

44 Kommentare

  1. 01

    Das ist doch immer wieder eine aufkommende Frage in diesem Business. Ich denke, sobald man mit dem Blog Geld verdient und (womöglich) mehr als 400 Euro damit monatlich verdient, kann man diesen Blog als wirklich kommerziell einstufen. Ein Blog, der 20€ im Monat mit ein paar Werbeklicks erwirtschaftet, ist für mich noch nicht kommerziell!

  2. 02

    Ich denke, 400€ geht klar als Grenze zu kommerziell. Sobald man wirklich seinen Lebensstandard durch den Verdienst ordentlich heben kann, ist die Kategorisierung angebracht…

  3. 03

    „Habe ich Blus Stopmotion-Graffiti-Video gepostet, um darauf Gewinn zu erzielen? Um damit Geld zu verdienen? Habe ich Blu meinen wirtschaftlichen Interessen untergeordnet? War der „žZweck“ des Videos eine wirtschaftliche Gewinnerzielung? Alle Fragen kann ich ruhigen Gewissens mit „žNein“ beantworten, der Zweck des Videos war ausschließlich, den Lesern ein wunderbares WTF-Video zu präsentieren, die Motivation „žGeld“ spielt dabei genau keine Rolle.“

    Sicherlich tust du das nicht des Geldes wegen, aber ich glaube, dass es juristisch möglich ist dir das so unter zu jubeln, denn du zielst ja darauf ab, dass die Leser wieder kommen und du somit deine Werbekunden aufgrund dieser Besucherzahlen vergrößern kannst. Aus menschlicher Sicht natürlich Unfug.

    Kommerziell fängt meiner Meinung dann an, wenn die Sache vom Geld gesteuert ist. Aber rechtlich sieht das wohl anders aus: Kommerziell bist du ja eigentlich bereits dann wenn du einen Euro verdienst. Persönlich stufe ich Kommerz mit dem verbunden Ziel ab.

    Aber das ist schwer zu beurteilen. Persönlich würde es mich als Publisher eher freuen, wenn Blogs meine Arbeit zeigen, allerdings auch nur solang sie frei zugänglich sind. Der Bruch dieser Idee findet dann statt, wenn mein Werk zum Teil eines gekauften Angebots wird oder mit irgendwelchen Dingen verbunden wird, die nichts damit zu tun haben, wie etwa Logos u.s.w..

    Wo wir bei Logos sind: Hier ist natürlich die Frage wie das ist, wenn man für irgendein Unternehmen wirbt, mit dem man persönlich nichts anfangen möchte. Nehmen wir irgendein Unternehmen, dass in einen Skandal verwickelt wurde. Das beste ist wohl sicher vorher eine Meinung einzuholen oder gleich die Werke zu verwenden, die auch für kommerzielle Nutzung gestattet sind.

    Wo holt ihr eigentlich das meiste Bildmaterial?

  4. 04

    @Der Typ, der sich eher häufig als selten als 'Der Typ' bezeichnet: @Torben: Was ist mit einer Site, die mit Werbung zugedonnert ist, die aber so wenig Traffic hat, dass keine Umsätze damit generiert werden? Nicht kommerziell??

    Ich finde, das muss Summen-unabhängig diskutiert werden.

  5. 05

    @pell: Das mit den Bildern steht oben: CC-Lizenzen mit kommerziellem OK, GNU (Wikimedia), archive.org oder einfach die Urheber fragen.

  6. 06

    Die Frage wird ja eigentlich noch komplexer, wenn man sich mal fragt, was der Autor eigentlich mit seiner NC-Lizenz will?
    Das kann nämlich von „Wenn Geld damit gemacht wird, soll es mein Geld sein“ bis hin zu „Ich möchte volle Aufmerksamkeit haben, mag aber nicht dass jemand meine Arbeit direkt verkauft“ rangieren.
    Auch Blu kann schließlich verschiedene Effekte erzielen. Zum Beispiel Filmaufträge ergattern (dann ist es wohl Sinnvoll, dass möglichst viele Leute auf der Welt sein Video sehen, toll finden, und ihm Aufträge geben) oder das Video zu Geld machen (dann sollen möglichst viele Leute das Video auf seiner eigenen Website sehen, wo er die Werbeeinnahmen kriegt)…
    Um zurück zur „Wann bin ich kommerziell“-Frage zu gelangen, da bin ich auf Blus Seite: der Respekt muss gewahrt bleiben. Das kann man dummerweise nicht in juristische Klauseln fassen. Ein Pro7-Logo oben rechts aufs Video zu pappen oder das Video im Rahmen von RTL Explosiv zu zeigen, oder im Mediamarkt als DVD mit den „besten 100 internet-clips“ zu verscherbeln, das wäre respektlos. Das Video in seiner ursprünglihcen Form zu verbreiten hingegen nicht. Wie man das juristisch fassen soll, kann ich aber nicht beantworten

  7. 07
    Andi

    In meinen Augen ist ein Blog dann kommerziell, wenn es kein reines Hobby mehr ist, also sobald es Wechselwirkungen mit der beruflichen Tätigkeit gibt (also Johnnys Definition als „Job-Generator“) und/oder das Ziel verfolgt wird, dass es sich kostenmässig selbst trägt (egal wie hoch der tatsächliche Umsatz ist).

    Anders gesagt: Ein Blog ist so lange nicht kommerziell, wie es rein aus Spass betrieben wird und die damit verbundenen Kosten in Kauf genommen werden.

  8. 08

    also ich persönlich finde johnnys „definiton“ am sinnvollsten und zur zeit am „richtigsten“. sobald man durch werbung (oder anderes) geld reingespült kriegt ist man kommerziell und der inhalt jedes ist sein kapital. also sollte man, wie johnny das beschreibt cc lizenzen nutzen die für die kommerzielle nutzung vorgesehen sind oder eben beim urheber nachfragen.

    :-)

  9. 09

    @BootieBadAzz: Das sowieso, aber auch die Frage nach dem Respekt (@Julian:) finde ich wichtig, aber wie erwähnt schwer juristisch einzugrenzen.

    Mit Spaß-Wertungen (@Andi:) tue ich mich sehr schwer, das riecht mir zu sehr nach „Wenn es Spaß macht, ist es keine Arbeit“ ;). Im Grunde müsste man dann sagen: Ein Blog ist nur dann unkommerziell, wenn der Betrieber es allein aus Hobby betreibt und beruflich keinerlei Vorteil daraus ziehen kann, weil sein Beruf inhaltlich rein gar nichts mit dem Blog zu tun hat. Bloggende Coder, Designer, oder Leute, die ganz andere Dienstleistungen anbieten und darüber indirekt oder auch direkt,aber ohne Banner, bloggen, fielen dann raus aus der Nichtkommerzialität.

  10. 10

    Ich tendiere auch dazu, die NC-Lizenzen sehr eng gefasst zu sehen. Schließlich sind sie ja nur der „Defaultwert“: Ich räume jedem in der Welt die angegebene Lizenz ein, aber das verhindert überhaupt nicht, dass ich jemandem, der nachfrägt eine viel weitergehende Lizenz einräumen kann. Das Nachfragen ist natürlich in Zeiten des raschen Repostens von Videos, Artikeln etc. etwas lästig, aber manchmal auch nötig.
    Ein weiterer Aspekt der eng gefassteren Lizenz ist, dass man den Nutzerkreis etwas besser kontrollieren kann: Manchem hat kein Problem damit, wenn sein Video auf Spreeblick publiziert wird, aber würde sein Werk vielleicht nur ungern auf einer Parteiwebseite sehen (bzw. auf der Webseite einer bestimmten Partei, je nach politischer Präferenz).

  11. 11

    Mir fiel grad noch ein zweites Problem ein:
    Creative Commons wurde ja erfunden, um das alles ein bisschen einfacher zu machen mit dem rechtlichen. Wenn sich aber „kommerziell“ nach der Höhe des Ertrages richtet, wer weist das nach? Reicht es, dass ich einem Blogbetreiber glaube, dass er mit seiner Seite nur so 10-15 Euro im Monat macht um die Hostingkosten zu bezahlen? Oder wie wird das geregelt? Kann ja auch nicht sein, dass ich erstmal klagen muss, um Einsicht in die Bücher eines Blogbetreibers zu bekommen, um dann festzustellen „der nutzt das nicht kommerziell, ist schon ok“…

  12. 12
    Andi

    @Johnny Haeusler: Richtig. Ein Coder oder Designer liefert, wenn er nicht anonym oder mit einer Baukasten-Software bloggt, natürlich eine Arbeitsprobe ab und macht damit Werbung für sich, sobald er beruflich identifizierbar ist. Entsprechend halte ich z.B. Anke Gröners Blog vor diesem Hintergrund für teilweise kommerziell seit sie als freie Texterin arbeitet, weil sie genau dazu einen Kontakt-Link im Blog hat.

    Aber das ist ja auch alles nix schlimmes, sondern völlig legitim. Nur dann halt mehr als blosses privatbloggen, weil zum „was ins Internet schreiben“ noch ein zweites Interesse hinzukommt. Und das hat mit Geldverdienen zu tun. Und das ist kommerziell.

  13. 13

    @Andi: Oh ja, lass uns bloß nicht die moralische Frage stellen, darum soll’s jetzt nicht gehen „¦ ich finde aber z.B. Ankes Blog nicht kommerziell. Klar, sie ist Texterin und das steht auch im Impressum, aber „¦ nee. Ich denke, dass sie nicht wegen ihres Berufs bloggt. Sondern eben zusätzlich.

    @Christian: Im Grunde finde ich das so auch am besten: Der Urheber entscheidet und muss halt gefragt werden. Aber das geht natürlich nur in einem begrenzten Rahmen. Wenn das wirklich als Anpassung der Gesetze allgemeingültig funktionieren soll (also auch für die Tokio Hotels dieser Welt), dann braucht es als Rahmenbedingungen gewisse Verbindlichkeiten, denke ich.

  14. 14

    @Johnny Haeusler: Das coole an den CC-Lizenzen ist natürlich schon, dass ich vieles einfach machen kann, ohne fragen zu müssen bzw. erlauben kann, ohne gefragt werden zu müssen. Das ermöglicht viel an kreativem Output, der durch umständliche Lizenzierungs/Nachfrageprozesse erstickt werden würde. Ich bin ja auch froh, dass es viele CC-Fotos gibt, die ich für Blogeinträge verwenden kann.

    Ich sehe halt das Problem, dass sobald „NonCommercial“ als Einschränkung nicht verwendet wird quasi alles gemacht werden kann. Ich erlaube damit sowohl dem Blogger nebenan, einen Song von mir für einen Blogeintrag zu remixen als auch irgendeinem Autokonzern, den Song für einen Fernsehspot einzusetzen. Im zweiten Fall hätte ich schon gern Kohle dafür (falls ich das in diesem Leben noch erlebe).

    Keine Ahnung, wie man das lösen könnte. Vielleicht bräuchte es eine „Small Business License“ oder sowas?

  15. 15
    Andi

    @Johnny Haeusler: Inhaltlich ist Ankes Blog sicherlich rein privat und wird offensichtlich aus Spass am Schreiben gefüllt, das ist klar (und das macht es ja auch besonders lesenswert). Durch den „Anke schreibt jetzt auch für dich“-Link an der Seite erfüllt es allerdings auch einen werblichen und damit kommerziellen Zweck, was es im Kontext der hiesigen Diskussion mindestens zu einer Grauzone macht. Gegenbeispiel: Herr Paulsen, der in seinem Kiosk hin und wieder von seiner Arbeit erzählt, aber keine derartige Werbung betreibt.

  16. 16

    Bei http://de.wikipedia.org/wiki/Kommerzielle_Kommunikation gelesen:

    „Kommerzielle Kommunikation ist gemäß Â§ 2 Telemediengesetz jede Form der Kommunikation in Telemedien, die der direkten oder indirekten Förderung des Absatzes von Waren, Dienstleistungen oder des Erscheinungsbilds eines Unternehmens, einer sonstigen Organisation oder einer natürlichen Person dient, die eine Tätigkeit im Handel, Gewerbe oder Handwerk oder einen freien Beruf ausübt.“

    Ich denke mal, die Formulierung „indirekte Förderung … des Erscheinungsbilds“ trifft es ganz gut.
    Damit ist auch Anke Gröners Blog als kommerzielle Kommunikation definiert oder das Lawblog von Udo Vetter ( http://www.lawblog.de ), der ja mit Hilfe seines Blogs zweifellos auch zu neuen Kunden kommt …

  17. 17

    Jetzt habt ihr mich daran erinnert, dass ihr euch ja Werbung schaltet. Die Diskusion ist spannend, aber schwierig, juristisch bestimmt auch sehr komplex – vielleicht gibt es ja jemanden, der sich mit CC-Lizenzrecht (hihi) auskennt und einem das laiengerecht erklären kann?

  18. 18

    eigentlich woll ich kommentieren, habs dann vorgezogen doch nen eigenen eintrag zu schreiben… tja, das thema kommerziell, … ich sag da nur gewinnerziehlungsabsicht…

  19. 19
    andre

    ich habe jetzt nicht alle kommentare gelesen und auch das kleingedruckte nur überflogen, aber steht da nicht zwichen den zeilen, da ihr ja über sachen berichtet und es auch einen „leser“ gibt, ihr im endeffekt presse seid? der spiegel immt ja auch kein pressefoto von irgendwas und verfremdet es später. und youtube einbindungen gibt es dort ja auch zuhauf.

  20. 20

    Kommerziell ist für mich, wenn Geld oder Sachwerte fließen, die ohne Existenz des betreffenden Dokumentes nicht geflossen wären, ausgeschlossen jene, die in direktem Zusammenhang mit der Verteilung des Dokuments stehen und die Kosten jener decken. Und nein, eure Werbung bezieht sich nicht direkt auf die Verteilung.

  21. 21
    Tim

    Das Finanzamt hat eine klare Definition: Mit Gewinnerzielungsabsicht. Wer auf seinem Blog Werbung schaltet, hat diese. Auch wenn er beteuert, dass es nur darum geht „die Kosten zu decken“. Ohne Gewinnerzielungsabsicht kann es trotzdem finanztechnisch kommerziell sein. Beispiel gemeinnützige Unternehmen. Es geht nicht um die Intention. Kommerziell kann es werden, wenn ein Projekt mit Unternehmen in Konkurrenz tritt. Dann sind wettbewerbsrechtliche Aspekte ausschlaggebend. Eine laxe Definition könnte ungerechtfertigte Wettbewerbsvorteile schaffen.

    Was Freiberufler wie Anke&Co angeht. Die werden wohl die Kosten für die domain als werbungskosten bei der Steuer geltend machen. Was eindeutig den kommerziellen Charakter bestätigt.

  22. 22

    Da ich hier verlinkt bin in dem Artikel muss ich hier nochmal meine Wissen zum besten tun. Ich habe aufgrund des Wirbels der damals mit dem Video entstanden ist eine sehr lange und tiefe Recherche durchführen wollen um eigendlich zwei Fragen zu beantworten – weil es sind auch zwei Fragen die hier zur Debatte stehen. Zum einen geht es um die Kommerzialität einer Webseite – dazu gibt es die eindeutig uneindeutige Antwort der Creative Commons Foundation das es dazu in naher Zukunft ein eindeutiges rechtlich abgesichertes Statement geben wird – darauf warte ich seit ein paar Monaten.
    Zum anderen – und das ist in dieser Debatte VIEL interessanter – geht es um embedded content generell und da hat CC nicht mal so viel mit zu tun – das betrifft alle Arten von Copyleftright die es gibt. Die Fragestellung ist nämlich ob und in wiefern ein embed auch nur ein link ist oder ob es eigendlich so ist als ob du das Video bei dir hostest. Damit ist es nämlich egal ob es auf einer kommerziellen Webseite steht oder ob es unter Creative Commons veröffentlicht wurde oder unter normalen Copyright – sobald du ein Video so veröffentlichst das es überall einfach eingebettet werden kann wird es halt „verlinkt“ indem es eingebettet wurde.
    Nun ich habe eine ganze menge Leute angenervt um mir die Frage ob ein embed gleich einem Link ist zu beantworten – kurze Antwort – es gibt keine rechtsgültige Antwort dazu. In Deutschland gibt es ein rechtliche Meinung – von einem Münchener Gericht – wie gesagt nur eine Meinung – darin heisst es das ein Embed so behandelt werden muss wie als ob man das Video selbst hosted. Sprich da würde dann Frage eins wieder ins Spiel kommen da alles copyright/left intakt bleibt. In USofA (und wohl auch in Grossbritanien) hingegen ist die landläufige Meinung das embed=link und damit ist es egal unter welcher Lizenz man ein Video veröffentlicht – das Video verliert irgendwie auf dem Wege des embed sein Copyright. Aber auch hier gibt es keinerlei Präzidenzfall und das sind nur die Meinungen von Anwälten die sich mit Copyright auseinandersetzen. Das heisst das copyright ist nur intakt bei demjenigen der es hosted und kann auch nur dort eingeklagt werden – alle die es embedden verlinken nur auf den Orginalkontent und damit ist es egal ob die geld verdienen oder nicht.

    Ich hatte damals gehofft mit meinem Artikel Aufmerksamkeit auf dieses Problem zu lenken und eine Diskussion anzustiften – freue mich sehr das es wieder Thema ist. Ich bin absoluter Freund von Creative Commons aber mich hat extrem enttäuscht das ich auch nach wiederholtem Anfragen keinerlei rechtsichere Antwort von dort bekommen konnte weder auf Frage 1 noch auf Frage 2 woraus ich ableite das man dort keine Antworten hat auf diese Fragen.

    Meine eigene Meinung: Embeds sind keine Links – technisch vielliecht – kulturell auf keinen Fall und Webseiten die Werbung haben oder ganz eindeutig der bewerbung von Produkten, Dienstleistungen oder Firmen dienen sind kommerziell. Das schliesst genannte A blog mit ein (es verdienen Leute geld um sich brötchen zu kaufen – damit bekommen die mehr Geld als viele der Künstler die ihre Kunst/Medien ins Netz stellen und damit den Traffic generieren der das Geld für die Brötchen generiert)

    Sorry für die Rechtschreibfehler ich hab nen totalen hangover und kann mich nur bedingt konzentrieren heute.

  23. 23
    Saint

    Ich möchte mal vorerst nur darauf verweisen, dass Ihr hier neben der Werbung, bei der Ihr Euch ja nicht aussucht, dass sie offenbar nicht sooo sehr viel einbringt (Wenn es 10 mal soviel wäre, würdet Ihr dann auf derlei CC-Content verzichten?), auch noch einen Shop am Start habt. Das auch nur irgendwie als nicht konmmerziell zu definieren dürfte wahrlich extrem schwierig sein.

    Ich meine, auch große definitiv kommerzielle Seiten machen mitunter nichts anderes, als durch Werbung Geld zu generien. Wie hoch diese Einnahmen letztendlich sind, spielt dabei absolut gar keine Rolle, denn ich gehe davon aus, dass jeder Werbung dafür schaltet, um Einahmen durch diese zu erzielen. Wohl keiner von denen würde dann sagen; bei 1000 im Monat nehm` ich die Werbung runter. Wer auf seinem Blog wirbt, betreibt eine kommerzielle Seite. Das ist zumindest meine Sicht der Dinge, auch wenn ich dann als „Fundi“ durchgehe.

    Nehmen wir mal eins dieser unzähligen Netaudio-Blogs, die ihren Content einzig und allein aus non-commercial CC-Content zusammenstellen. Die Sidebar, der Footer und all der andere Platz wird dann mit Werbung zugepflastert. Da verdient dann jemand Geld mit non-commercial-Stuff. Das finde ich doch ziemlich eindeutig, auch wenn das weder hier noch bei Renè drüben zutrifft. Nur wo ist da die Grenze? Ab wann wird der Inhalt eines Blogs selber zu einer Art kreativen Produkts, das dann wiederum ein CC-fähiges Model wäre. Das wäre eine Frage, die es zu klären gäbe. Wann macht die Mischung eines Blogs ein eigenes Produkt.

    Außerdem finde ich es ungünstig sich nur an BLU seiner Aussage zu orientieren. Da hätte man auch mehrere Künstler fragen können. Diese Auswertung hätte mich dann wirklich mal interessiert.

    Außerdem ungünstig und nicht sonderlich konstruktiv in dem gesamten Kontext, ist die Tatsache, das selbst CC da zu keiner eindeutigen Aussage bereit oder fähig ist, wie fAlk ja meinte. Man könnte dadurch das Gefühl bekommen, das diese ganze CC-Idee im Extremfall für den Arsch ist, weil sich um die Einhaltung keiner wirklich ins Zeug legt, bzw. klare Grenzen zieht.

    Und: Ja, Spreeblick ist ein kommerzielles Blog, in meinen Augen zumindest.

  24. 24

    Ich hatte mal vor einiger Zeit Lawrence Lessig, sozusagen der Vater von Creative Commons, zu diesem Thema befragt, und seiner Meinung nach ist es OK, auch nicht-kommerziell-CC-Sachen auf werbefinanzierten Blogs zu posten. http://blogoscoped.com/archive/2008-02-07-n77.html

    Natürlich ist auch eine Aussage von Mr. Lessig nichts rechtsverbindlich, denn darüber entscheidet nur der Lizenztext, den Creative Commons veröffentlicht. Die sollten den vielleicht mal so anpassen, dass kommerziell genauer umfasst ist (z.B. als direkter *Verkauf* eines Werkes).

    Dazu noch der Hinweis, das Creative Commons auch bei nicht-kommerz-Klausel den Fair Use (in USA) trotzdem nicht ausschließt, aber in dem Zusammenhang müsste man wohl erstmal klären was in einem Blog das Gesamt-Werk ausmacht — sind es alle Beiträge und Kommentare zusammengenommen? Oder nur der einzelne Artikel? Oder der Artikel aber mit Kommentaren?

  25. 25

    Für mich ist eine Website dann kommerziell, wenn über sie Geld verdient wird. Ob direkt oder indirekt ist dabei irrelevant.

    Klar verdien ich mit den paar Bücherempfehlungen auf der WebDesign in de keine 400.-€, aber über die Website eindeutig mehr pro Woche ..

    genauso die Texto de.

    Für mich ist der Begriff :kommerziell unabhängig von der Höhe des Verdienstes, – wäre der Begriff *kommerziell* abhängig vom Gewinn, müßten mehrere Banken derzeit als Privatprojekte eingestuft werden –oder seh ich das falsch ;)

    Und ob man auf einer Unterseite Geld macht oder auf der gesamten Domain, ändert ja nichts daran, dass das Geld mit der Domain verdient wurde, ob es schlussendlich für einen günstigen Coffee to go oder einem Dinner im 5 Sterne Restaurant reicht ist davon ebenfalls nicht berührt.

    kommerziell–man mag Geld verdienen – von der Höhe find ich nichts ;)
    lg

  26. 26

    > Für mich ist eine Website dann kommerziell, wenn über
    > sie Geld verdient wird.

    Wie das Werk speziell (im Kontext) *genutzt* wird ist dabei meiner Meinung nach sehr relevant, nicht nur ob eine Webseite an sich kommerziell ist. Du darfst ja beispielsweise auch ein Buch verkaufen, in welchem dem du die Geschichte der Hopfnudelwerbung aufarbeitest, und dabei dann Hopfnudelwerbungsposter exemplarisch abdruckst, ohne das dir das Copyright an diesen Hopfnudelwerbungspostern nun gehören würde (und CC-Lizenzen sind eben nicht *mehr* als normales Copyright). Also: verkaufst du ein Hopfnudelwerbungsposter, oder besprichst du es im Rahmen einer Rezension und ähnliches? In Blogs ist die Wahrheit wohl oft so in der Mitte angesiedelt.

  27. 27

    Super interessantes Thema! Ich dachte bisher immer, dass es um die direkte Verwendung des Bildes geht. Also wenn man es zum Beispiel auf Mauspads drucken will, um diese dann zu verkaufen. Bei der Nutzung in Weblogs verwendet man das Bild ja eigentlich eher redaktionell, weil man nicht durch das Bild verdient, sondern durch seine Inhalte.
    Insofern wäre es ja völlig egal, ob Spreeblick ein kommerzielles Blog ist oder nicht!?

  28. 28

    Hi Mattias
    jede Zeitung verwendet Bilder redaktionell – die zahlen aber jede Menge Geld für so manches Bild- weil ein Bild ein Teil des *Redaktionellen* ist.

    Jeder wird bestätigen, dass man Texte besser *verkauft*, wenn sie mit Bilder aufgehübscht sind.

    Sollte jemand auf die Idee kommen eines meiner Fotos je in einem Blog zu verwenden, so erwart ich auch, dass gefragt wird, deshalb stehen sie ja unter der speziellen Lizenz –

    lg

  29. 29

    und genauso sieht es aus. Fragen kostet nichts und das ist eigendlich alles was diejenigen wollen deren Werke benutzt werden. Wenn keine Zeit da ist um den Author des Originalwerks zu fragen dann ist auch keine Zeit da den Artikel generell zu posten. Dabei kann man gleich noch an den Orginalauthor ein paar Fragen stellen und somit Kontent generieren der wirklich publizistischen Wert hat und nicht nur einfach einen Link darstellt – und der KontentProduzent hat dann auch gleich noch eine Möglichkeit seine Gedanken zum Werk mitzuteilen – alle gewinnen keiner ist sauer. Man ist dann aber eventuell nicht mehr der erste der den Link bringt – wie schade – nicht das sowas einem eventuell mehr Leser bringen könnte am Ende des Tages?

    Zur cc Umfrage – reichlich peinlicht „please say if the following scenario presents a commercial use: The user is a private person“ ??? WTF Wie soll man wissen ob eine Privatperson seinen Kram benutzt und damit Geld macht? Das Eine hat mit dem Anderen so einfach mal gar absolut nix zu tun und sowas macht in etwa ein drittel der Fragen in dieser Umfrage aus… was erwarten die da als Antwort zu bekommen? Was wollen die daraus schliessen? Ich bin nach meiner Kommunikation mit der CC Foundation unheimlich skeptisch geworden und ich bin seit 2001 – seit ihrer Entstehung – immer Verfechter der Idee gewesen.

  30. 30

    @fALk: Die Frage ist doch berechtigt. Ich habe da sinngemäß angekreuzt: Ja, kann für mich trotzdem kommerziell sein. Kann gut sein, dass andere Leute anderer Meinung sind (z.B. Benutzung durch Privatperson = nie kommerziell). Von daher macht die Frage schon in so einer Umfrage Sinn.

    Insgesamt kann man sich aber schon fragen, warum die CC Foundation solche zentralen Begriffe nicht früher schon genauer definiert hat.

  31. 31

    > Wenn keine Zeit da ist um den Author des
    > Originalwerks zu fragen dann ist auch keine Zeit da den
    > Artikel generell zu posten.

    Sehe ich anders. Man braucht oft nur ein Bild, was thematisch passt, meinetwegen eine Frau mit Glaskugel wenn du in deinem Beitrag was zum Thema Horoskope schreibst (nur mal so als Beispiel). Das möchtest du eventuell in deinem Bildeditor dann mit anderen Bildern vermischen, und der Kern deines Beitrages bleibt aber der Text. Wenn CC-komerziell eine solche Einbindung in Blogs nicht erlauben würde, würden sich viele Leute in dem Fall halt einfach eine CC-mit-komerziell raussuchen (Frau mit Glaskugel wird es wohl noch öfter geben, dann nimmt man sich halt eine weniger restriktive Lizenz). Es ist viel zu viel Stress, jedesmal einzeln nachzufragen — genau das macht CC ja theoretisch einfacher. Oft würde man auch nur eine sehr späte oder gar keine Antwort erhalten, und wenn ich meinen Fotos CC-Lizenz gebe möchte ich ja auch nicht jetzt jedesmal einzeln freigeben, oder gar mich durch meine Wortwahl womöglich in ein getrenntes Lizenzabkommen begeben, was dann später nochmal Nachteile bringen könnte.

  32. 32

    PS: Und wenn ich komerziell sage, meine ich natürlich kommerziell :)

  33. 33

    @Philipp Lenssen: Hmmm. Es ist doch genau dieses Denken das diese Diskussion so wichtig macht. Also du machst dir sagen wir 60 minuten nen Plan um ne gute Story zu schreiben und bezahlst deinen ISP nehme ich mal an. Soweit so gut – dann nimmst du irgendjemands andere 60 Minuten (ja auch Photos brauchen Zeit – aber es geht hier auch um Videos und Kunst was manchmal Wochen braucht um fertig gestellt zu werden) auch wenn dieser jemand ausdrücklich ausgeschlossen hat das irgendjemand anders damit Geld verdient – damit sich Deine Story besser „verkauft“ – das ist ethisch sehr fraglich auch wenn du erstmal kein Geld verdienst aber du bekommst Geld (wir nehmen hier an du hast ein blog mit Werbung oder schreibst für blogs mit Werbung alles andere ist eh ok) dann verdient Dein ISP Geld mit der Arbeit von jemanden der ausdrücklich ausgeschlossen hat das jemand anders mit seiner Arbeit Geld verdient – sonst hätte er ja die andere Lizenz verwendet richtig? Deswegen nimm doch einfach Photos mit einer Lizenz die erlaubt sowas zu kommerziell zu verwenden!? Wie gesagt ich würde nicht unter CC NC veröffentlichen wenn Werbung auf blogs ausgeschlossen wird. Wir haben hier nun ein grosses Problem – die Blogs haben hier die Stimme eindeutig Stellung zu beziehen und wenn ich hier und anderswo so die Meinungen lese dann denke ich das das nicht gut ausgeht für die die den Kontent produzieren die nicht die grosse Stimme der A Blogs und derjenigen die Kontent sammeln (die von Saint genannten Musikportale) haben die wiederum am meisten von der nichtdefinierten CCNC Lizenzenz profitieren. Also du meinst das anderer Leute Arbeit es nicht wert ist eine einzeilen Mail zu schreiben und 24h auf eine Antwort zu warten auch wenn das eigendlich Dein Job ist? Und wie gesagt wenn Du es schnell und günstig haben möchtest dann nimmst Du – wie Du selber sagst – ein Photo mit einer Lizenz die es Dir erlaubt (nicht ohne Grund sind dort die Photos meist weniger schön und wesentlich weniger)

    @Christian: Ja generell pflichte ich Dir bei aber es gab ähnliche Optionen ziemlich oft wo extrem schwammig gefragt wurde und eine Skala von 1-100 tat es da für mich nicht. Ich hoffe das da nicht irgendein Algorythmus den Ausgang dieser Umfrage bestimmt. Ich pfichte Dir 100%ig bei wenn Du sagst das man das hätte vorher definieren oder zumindest die Unfähigkeit es zu definieren publik machen sollen. Ich denke beide Seiten wähnen sich hier in einer Sicherheit die es für beide Seiten schlichtweg einfach nicht gibt – das Problem ist im Moment vielleicht nicht besonders problematisch weil man noch „unter sich“ ist irgendwie – ich sehe nur grosse Konzerne ins Netz strömen und irgendwann auch CC Kontent zu benutzen und zu generieren und dann ist schnell das Gerichtsverfahren da was dazu führen könnte das die CC NC Lizenz für null und nichtig erklärt wird (schlecht für alle die darunter veröffentlicht haben weil deren Arbeiten sind dann Public Domain) oder ein Präzendenzfall erschaffen wird und auf einmal von allen Seiten die Blogbetreiber auf Unsummen verklagt werden (weil Präzendenzfall meist rechtsbindend und die Erschaffer könnten einen guten Nebenverdienst darin erkennen das man grosse Blogs verklagt) – beide Fälle sind nicht sehr erstrebenswert für niemanden – sicherheit wäre von Anfang an gut gewesen und ich denke diejenigen die da Anwälte sind und die CC Foundation aufgebaut haben sollten sich schämen – zumindest dafür das sie das Manko der Lizenz nie zum Thema gemacht haben.

  34. 34

    @fALk: Ein kurzes Nachhaken zu deinem ansonsten guten Artikel: Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Ungültigkeit der Lizenz zu einem „žPublic-Domain“-Status führen kann. Man kann in Deutschland nicht auf sein Urheberrecht verzichten, von daher würde ich eher erwarten, dass das Recht auf den Status des normalen Urheberrechts zurückfällt (Defaulteinstellung quasi). Siehe dazu auch http://de.wikipedia.org/wiki/Public_Domain .

    Ich möchte mich nochmal beim Spreeblick für das Anstoßen dieser Diskussion bedanken. Ich glaube, das Thema Copyright macht vielen Leuten Probleme. Im Gespräch mit Musikerkollegen merke ich, dass es nur wenige gibt, die diese ganzen Rechtediskussionen mit GEMA, GVL, KSK, Samplinglizenzen, „žFair Use“, Mechanical Licenses usw. so richtig durchschauen. Und auch in Sachen der „žContentverwender“ gibt es oft große Unsicherheiten, vor allem eben im Netz, wo viele in diese für sie neue Situation kommen, dass sie plötzlich Texte, Zitate, Photos, Musik oder Videos einer anderen Person wiederverwenden möchten.

    Einerseits würde ich mir wünschen, dass z.B. Blogs wie Spreeblick (die eine gewisse Reichweite haben) hier etwas Aufklärungsarbeit betreiben.

    Andererseits befürchte ich, dass es in vielen Fällen die klaren Regeln, die man gerne wüsste um sie einfach anwenden zu können, gar nicht gibt.

  35. 35
    DieterK

    Dieser „Fall“ beweist einmal mehr, dass die Verwendung von CC-Lizenzen nicht so einfach ist, wie von den Verfechtern immer behauptet wird.

    Die Grundidee war zwar genial, aber schon die Einführung der Einschränkung auf die „nicht-komerzielle Nutzung“ schafft jede Menge Probleme (siehe oben). Klarheit darüber, was „žkommerziell“ / „žnicht-kommerziell“ bedeutet, wird (falls überhaupt) erst in Jahrzehnten bestehen, wenn diese Frage vor Gericht geklärt wurde. Und zwar in jedem Land einzeln.

    Wobei wir schon beim nächsten Problem wären: Die Anpassung der US-Lizenzen an die nationalen Gesetze. Als dies damals in Deutschland geschah, hatten die Verantwortlichen die geniale Idee, nicht die Begriffe aus dem Urheberrecht zu verwenden, sondern frei zu fabulieren. Da CC-Lizenzen außerdem nicht zwischen den verschiedenen Werkarten unterscheiden, kann jetzt jeder Lizenzgeber bzw. Lizennehmer wild drauf los spekulieren (siehe oben), was eventuell gemeint sein könnte.

    Außerdem hat sich nach meiner Beobachtung der Schwerpunkt von CC (jedenfalls in Deutschland) total verschoben: Ging es ursprünglich darum, Rechte der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen (und dabei nebenbei selbst auch an den Rechten zu verdienen, das berühmte Beispiel vom Autor der ein PDF-File verschenkt und Bücher verkauft), geht es inzwischen darum, mit CC Geld zu verdienen (vgl. die absurde Diskussion um CC und GEMA).

    Die Kritik von fALK hier (und in dem verlinkten Artike) ist auf voll und ganz berechtigt.

  36. 36

    > Also du meinst das anderer Leute Arbeit es nicht wert ist
    > eine einzeilen Mail zu schreiben und 24h auf eine Antwort
    > zu warten auch wenn das eigendlich Dein Job ist?

    Ich denke nicht, dass das mein Job ist, und der Vater von Creative Commons hat mir da Recht gegeben. Es ist halt etwas anderes, wenn man ein Bild verkauft, als wenn man seine Site — auf der das jeweilige CC-Bild oder ähnliches nur einen kleinen Teil ausmacht — mit etwas Werbung finanziert. Und diese ganze „die andere Person hatte Arbeit“ Diskussion ist meiner Meinung nach nicht nötig, denn du musst ja nicht unter CC veröffentlichen, wenn du an das Konzept nicht glaubst und meint jemand „stiehlt“ dir deine Zeit. Ich denke nicht so: ich veröffentliche meinen Blog und alle Bilder die ich dort selbst mache unter CC, weil ich mich freue, wenn andere meine Inhalte und Arbeit weiterverwenden. Mit nicht-kommerziell möchte ich bloß den *direkten, alleinigen Verkauf* meiner Werke verhindern. CC basiert eben darauf das viele Leute ihre Werke teilen. Ich fände es schade, wenn Leute nun meinen obwohl ich CC benutze müssten sie mir nun immer eine Nachfrage schicken. Dann kann ich ja direkt (C) benutzen. Natürlich gibt es hier einige Grauzonen, deshalb lädt wohl auch die CC-Organisation zu der Diskussion ein. Wobei man vielleicht von der CC-Organisation eher klar definierte Lizenzen wünschen würde, also eine endlose Diskussion? Ich weiß es nicht.

  37. 37
    Tim

    Interessant, dass dies jetzt erst einigen deutlich wird. Als die CC-Lizenz 2001 rauskam, gab es eine Menge Kritik und Fragen, die von den Machern nie ernsthaft diskutiert worden sind. Der Erfolg gab ihnen recht.

    Es ist ja nicht aufs Internet beschränkt. Beispielweise zeigt der Artikel zu „Creative Commons“ im deutschen wikipedia ein Foto von einem Cafe in Spanien, welches mit einem Schild „CC“ darauf hinweist, dass nur Musik unter Creative Commons Lizenz gespielt wird. Mag sein, dass dadurch Lizenzabgaben – ähnlich der GEMA – vermieden werden. Nur: Das ist eine kommerzielle Bar. Da werden die Songs eindeutig zu kommerziellen Zwecken verwendet. In der Regel wohl „nc“-Songs.

    Ist wohl nicht im Sinne der Musiker. Dazu ist das grosse Schild auch eine Image-Werbung (wir sind die „Guten“).

    Das pervertiert den Zweck der CC-Lizentzen.

  38. 38

    Ich sehe das so wie Philipp, wer überhaupt nicht will, dass andere seine Werke benutzen, der soll sie eben nicht unter einer CC-Lizenz veröffentlichen.
    Das Beispiel mit der Bar halte ich für genauso fragwürdig wie das mit der redaktionellen Verwendung. Die Bar macht ihren Umsatz ja nicht mit der Musik, sondern mit dem Verkauf von Getränken. Kommerzieller Einsatz der Musik wäre für mich auf CD brennen und die CD verkaufen.
    Ist das denn nirgendwo genau festgelegt und ausformuliert, wie weit das mit den kommerziellen Absichten geht?

  39. 39
    DieterK

    @Matthias:
    „Das Beispiel mit der Bar halte ich für genauso fragwürdig wie das mit der redaktionellen Verwendung. Die Bar macht ihren Umsatz ja nicht mit der Musik, sondern mit dem Verkauf von Getränken.“

    So so. Nach dieser Logik braucht RTL (oder irgend ein anderes kommerzielles Medienunternehmen) für die Nutzung von Filmen (oder anderen Rechtebündeln) auch nichts zu bezahlen: Die machen ihren Umsatz ja nicht mit dem zeigen von Programm, sondern mit dem Verkauf von Werbezeit.

  40. 40
    Tim

    Wikipedia meint dazu:

    Music Sharing License
    Die Music-Sharing-Lizenz erlaubt Musikern, ihre Musik, für die sie das Copyright behalten, für den Download, zum File Sharing und für Webcasting freizugeben, nicht aber zum Verkauf, zur Erweiterung oder um sonst irgendeinen kommerziellen Nutzen daraus zu ziehen.

    Der kommerzielle Nutzen ist gegeben. Ohne die Musik würde das Cafe weniger Umsatz machen. Die Differenz ist der kommerzielle Nutzen. Von dem die Betreiber einen Teil an die Künstler abgeben sollten.

    Kann man auch auf blogs übertragen. Wenn CC-Content Besucher und mehr (Werbe)einnahmen verschafft, ist der Nutzen evident.

    Ich denke, die CC-Lizenz ist so nicht mehr lange haltbar. Der Ausschluss der kommerziellen Nutzung unter CC sollte ja dem Urheber die Chance eröffnen, mit der freien Verbreitung auch zu Einnahmen zu kommen. Das funktioniert nicht.

  41. 41

    Tatsächlich bedeutet der Versuch Geld zu verdienen nicht automatisch Gewinnerzielungsabsicht, sondern kann auch als Liebhaberei enden. Gewinnerzielungsabsicht wird nur unterstellt, wenn auf eine Steigerung der Einnahmen hingearbeitet wird.
    Wenn zum Beispiel jemand hobbymäßig töpfert und die Werke verkauft, muss er/sie nicht unbedingt ein Gewerbe dafür anmelden, da nicht unbedingt Gewinnerzielungsabsicht dahinter steht.
    Ähnlich ist es mit Werbung auf einem Blog. Wenn man die Werbung nur laufen lässt und nicht gezielt darauf hin arbeitet, dass sich die Ertragslage verbessert (dazu könnte SEO und die Optimierung der Werbeformen zählen), so wird keine Gewinnerzielungsabsicht unterstellt – auch wenn man eigentlich schon Geld verdienen will.

  42. 42
    Tim

    So einfach ist es nicht. Wenn Gewinne anfallen – auch ohne „Gewinnerzielungsabsicht“ müssen die versteuert werden. Auf der anderen Seite können Verluste nur eine begrenzte Zeit beim Finanzamt geltend gemacht werden, da nach einigen Jahren das Finanzamt eben die Gewinnerzielungsabsicht nicht sieht und es lediglich als „Liebhaberei“ ansieht. Klassisches Beispiel: Eine Zahnarztehefrau, die mit den Verlusten ihrer Galerie den Spitzensteuersatz ihres Ehemannes drückt. Die Verluste können zwar dann nicht mehr bei der Steuer geletend gemacht werden, Trotzdem bleibt es ein kommerzieller Betrieb und das Finanzamt will eine Buchhaltung sehen. „Hobby“ und „Einnahmen“ gibt es nicht- jeder Werbekunde will schliesslich auch eine Rechnung haben. Die Abrechung von adsense/adwords und die steuerliche Behandlung – inkl. Hinterziehung von adsense-Einnahmen ist ein ganz anderes Thema.

  43. 43

    Andere fragen sich ob eine Trennung zwischen non-commercial und commercial ueberhaupt moeglich ist in Zeiten wo beides immer mehr verschmilzt:

    When Life And Work Blend, Everything Is Commercial Use

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