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MexxBooks: Der Kindle-Buchklub

UPDATE Vorsicht. Offenbar sah Amazon die ganze Geschichte dann doch etwas anders und der Club ist gescheitert. Mehr Info als dieses Forum-Posting habe ich derzeit leider auch nicht. Von Anmeldungen bei Mexxbooks rate ich derzeit ab.

Noch immer nutze ich den eBook-Reader meiner Wahl – den Kindle – oft und gern (mein Review ist hier zu lesen) und ich stelle auch eine verstärkte Verbreitung solcher oder ähnlicher Geräte im Bekanntenkreis fest. Das Lesen auf dem eBook-Screen scheint mir langsam in die Gänge zu kommen.

Dennoch beschweren sich viele Leserinnen und Leser zurecht über die streckenweise hohen Preise, über die verschiedenen Systeme sowieso, und auch darüber, dass man ein elektronisches Buch in den meisten Fällen weder verleihen noch weitergeben kann (über den schwerwiegenden Verlust des gedruckten Buchs als schönes Geschenk schweige ich an dieser Stelle vorerst und setze weiter auf beide Arten des Lesens). Wenigstens für die erst- und letztgenannten Probleme gibt es jedoch eine Lösung, auf die ich zufällig in einem Forum gestoßen bin.

Der MexxBooks-Buchklub nutzt nämlich eine Funktion des Kindle auf sehr clevere Art und Weise: verschiedene Kindles können von Haus aus und völlig legal auf ein und denselben Amazon-Account zugreifen. Mehreren Personen ist es daher möglich, sich einen Kauf teilen, bis zu sechs von ihnen können das gekaufte Buch auch gleichzeitig auf ihren Geräten lesen.

Beim MexxBooks-Buchklub teilen sich nun alle Mitglieder einen einzigen MexxBooks-Amazon-Account, haben Zugriff auf alle von diesem Account gekauften Bücher und damit auf eine Bibliothek, die täglich wächst. Die Buch-Einkäufe selbst werden durch die Mitgliedsbeiträge finanziert, die allein für solche Einkäufe eingesetzt werden, denn MexxBooks ist ein „not-for-profit“-Klub. Der eigene Amazon-Account kann selbstverständlich weiter genutzt werden, ein Ab- und Anmelden der beiden Accounts (eigener und MexxBooks) ist dafür jedoch vonnöten.

Da Amazon zwar die Registrierung beliebig vieler Geräte auf einen Account, das gleichzeitige Lesen eines Buchs jedoch nur auf jeweils sechs Geräten zulässt, ist auch in der MexxBooks-Bibliothek ein Buch vielleicht mal eine Zeitlang „ausgeliehen“. Der Club basiert somit auf der Fairness der Nutzerinnen und Nutzer, ein gelesenes Buch auch wieder „zurückzugeben“, es nach dem Lesen also vom eigenen Gerät zu löschen, um so wieder einen der sechs „Lese-Slots“ freizugeben. Bei großer Nachfrage nach einem bestimmten Buch werden jedoch auch Lizenzen zugekauft, man versucht also, genügend Lesemöglichkeiten für alle zu bieten. Bisher scheint das alles gut zu funktionieren – die Community wächst, organisiert sich selbst in einem Forum und stimmt ggf. über Entscheidungen ebenso wie über neue Einkäufe ab.

Die Liste der vorhandenen Bücher ist hier einsehbar, wer ein bestimmtes Buch lesen möchte, der gibt einfach Bescheid, und auch an anderen Stellen bemüht sich der Klub um Service. So werden z.B. für Interessenten die neuen Kindle-Versionen aus den USA bestellt.

Auch wenn es hier auf den ersten Blick etwas kompliziert klingen mag: Die Idee und Nutzung von MexxBooks ist bestechend einfach, sie ist legal und der Kontakt zu Amazon scheint ein guter zu sein, MexxBooks hat eine eigene Seite bei Amazon (und bei Facebook natürlich auch). Die Tatsache, dass sich der Klub selbst organisiert und weniger Geschäftsidee als Service ist, macht die Sache sympathisch und wenn es jetzt noch eine etwas elegantere Website gibt, dann sollten sich bald viele weitere Mitglieder zur Gemeinde hinzu gesellen.

Pro Einzel-Nutzer und Jahr kostet die Mitgliedschaft bei MexxBooks 29 Euro, Familien können für 49 Euro im Jahr gleich mehrere Geräte mit Lesestoff versorgen.

26 Kommentare

  1. 01

    Vielen, vielen Dank für den Tipp.

  2. 02

    Das ist toll. Damit ist die Entscheidung für den Kindle gefallen. Danke.

  3. 03
    Aaa

    In den Kindle Nutzungsbedingungen steht aber schon, dass man digitale Inhalte ausschließlich selbst benutzen darf. Ausdrücklicher: „Sofern nichts anderes ausdrücklich angegeben ist, dürfen Sie die Rechte an den digitalen Inhalten oder Teilen davon nicht verkaufen, vermieten, verleihen, vertreiben, im Rundfunk ausstrahlen, in Unterlizenz vergeben oder anderweitig an Dritte abtreten, und Sie dürfen Schutzvermerke oder Kennzeichnungen an den digitalen Inhalten nicht entfernen oder verändern. Darüber hinaus dürfen Sie Sicherheitsmerkmale, die dem Schutz der digitalen Inhalte dienen, nicht umgehen, verändern, unterdrücken oder verhindern.“
    Man handelt damit zwar nicht selbst gegen die Nutzungsbedingungen, Mexxbooks aber schon. Und dafür würde ich kein Geld ausgeben, wer weiß, ob man das wiedersieht.

  4. 04
    Presko

    @Aaa: Die digitalen Inhalte werden ja ausschließlich selbst benutzt bei MexxBooks – es ist und bleibt ein einziger Account mit dutzenden angemeldeten Geräten. Das angemeldete Gerät lädt das Ebook aus dem Archiv.

    Das Projekt läuft anscheinend schon 6 Monate gut.

    @Artikel: Hier ist die aktuelle Buchliste http://www.mexxbooks.com/registrierung-fur-mexxpremium/mexxpremium-bibliothek/

  5. 05
    mark

    könnt ihr jetzt noch offenlegen, was oder zumindest ob mexxbook euch für diese werbung auf spreeblick bezahlt hat? sorry, aber der gedanke drängt sich einfach auf, egal ob der service jetzt gut oder nicht ist. in dieser welt wird man eben mißtrauisch…

  6. 06

    @Aaa: Soweit ich es verstehe, ist das alles korrekt und Amazon weiß von dem Klub, ich denke, dass die Umsätze über den Klub nicht die schlechtesten sind – Umsätze, die von den einzelnen Leuten vielleicht nicht kämen.

    Seien wir doch froh, dass es diese Möglichkeit gibt (statt AGB zu posten… :)).

  7. 07

    @mark: Ich bespreche oft Produkte und Dienste, es gibt hier sogar eine eigene Kategorie dafür. Ich lasse mich für Artikel nicht bezahlen, habe bereits vor dem Artikel einen US-Kindle bei Mexxbooks bestellt und auch das Gerät für den Test damals bei Amazon gekauft. Auch, wenn ich über Google schreibe, bekomme ich von denen leider kein Geld dafür. :)

  8. 08
    Grele

    Man braucht btw nicht unbedingt einen Kindle, um da mitzumachen. Es gibt ja Kindle-Apps für Android und iOS.

  9. 09
  10. 10
    Presko

    Deren Jailbreak Forum ist auch sehr gut besucht.

  11. 11

    Ui, das ist eine tolle Idee, allerdin gs fände ich glaube ich das wechseln zwischen meinem und dem MexxBook-Account etwas lästig.

    Die Buchverlage werden wohl zeter und mordio schreien, ob dieser Entwicklung obwohl sie hätte sehen können, dass alles den Weg der Musikindustrie gehen wird: In baldiger Zukunft wird es hoffentlich auch ebook-Flatrates geben und es ist nun an den Verlagen sich dort zusammenzuraufen, um dieses Geschäft am Ende selbst in der Hand zu haben und nicht wieder einem Apple/amazon/Thalia zu überlassen.

    Die Zahl der eBook-Reader und inbesondere des Kindles wird zunehmen, er wird wohl dieses Jahr das beliebteste Weihnachtsgeschenk sein (siehe http://netzfeuilleton.de/2011/12/der-amazon-kindle-im-weihnachtsgeschenkecheck/).

    Das Problem mit den geschenkten gedruckten Büchern habe ich auch. A) weiß noch nicht jeder, dass ich ein Kindle habe und b) fehlt aus mir unverständlichen gründen noch die option ein eBook zu verschenken…

  12. 12
    Fragezeichen

    @mark: Ja und wenn schon. Man nehme das schwabblige Ding, was jeder Mensch zwischen den Ohren mit sich rumträgt und benutze es.

  13. 13
    wef

    Mal sehen wie lange es dauert, bis die Anbieter auf die simple Idee kommen dass man Freunden ein Paperback schenkt, für den Schrank, udn weil physische Geschenke toll sind – aber im Buch ist der Code für den eBook-Download. Am besten wäre es natürlich mal wieder ich würde mir diese Idee schützen lassen, Aber ich habe längst erkannt das aus mir nie was wird.

  14. 14
    Aaa

    @Presko: Ne, darüber muss man nicht diskutieren, die Angaben sind da schon eindeutig genug.
    @Johnny: Wenn du behauptest, dass das legal ist, und ich anderer Meinung bin, dann untermauere ich das gleich. Amazon tut vielleicht nichts dagegen, wodran das liegt weiß man aber nicht (nicht wissen vs. ignorieren vs. tolerieren). Ich finde ja, die offensichtliche Verletzung der Nutzungsbedingungen gehört erwähnt, damit hinterher niemand weint. Du hast ob deiner Popularität eine gewisse Narrenfreiheit, bist aber auch Vorbild für andere Blogger und solltest deshalb besonders sorgfältig bloggen.

  15. 15

    @Aaa: Wenn es sich um einen nicht augenscheinlich illegal wirkenden Dienst handelt, der ein zugelassener Amazon-Partner ist, seit einigen Monaten öffentlich agiert und für den sich im Impressum die Verantwortlichen finden – dann sind das erstmal genügend Gründe für mich, davon auszugehen, dass die Betreiber wissen, was sie tun und sich auf legalem Boden bewegen.

    Das bedeutet nicht, dass du nicht doch Recht haben könntest. Oder dass es „Lücken“ in den AGB gibt. Aber zu behaupten gibt es da ja nicht viel, die Legalität ist auch sicher keine Meinungssache. Ich selbst kann an deinem AGB-Zitat nicht erkennen, in welchem Punkt der Club gegen diese Regeln verstoßen soll und gehe davon aus, dass Amazon selbst sich als Allererster melden würde, wenn da was nicht stimmt. Aber ich frage bei den Betreibern gerne mal an.

    UPDATE Dies habe ich soeben als Statement zur rechtlichen Lage von den Betreibern der Plattform bekommen:

    „Wir haben die Konstruktion der nicht auf Gewinn ausgerichteten Teilhaberschaft gewählt, weil uns diese die Umsetzung der Bibliotheks-Idee ohne Verstoß gegen die AGBs und Vorgaben von Amazon ermöglicht. Abgesehen davon, dass uns bewusst ist, dass wir uns hier in einem auch rechtlich extrem dynamischen Umfeld bewegen, halten wir uns akribisch an die Vorgaben von Amazon. Das beginnt damit, dass wir für jedes Buch die Anzahl der Lizenzen beschaffen, die wir benötigen, um unseren Mitgliedern das gleichzeitige Lesen zu ermöglichen, verpflichten wir unsere Mitglieder sowohl bei der Registrierung als auch im Rahmen unserer MexxBibliotheks-Regeln zur Einhaltung der Amazon-Lizenzbestimmungen. Es hat in den Gesprächen mit den Rechtsvertretern von Amazon diesbezüglich keine Einwendungen gegeben. Sollten sich hier in Zukunft Änderungen in den AGBs bei Amazon ergeben, so werden wir diese natürlich auch in unsere MexxBibliotheks-Regeln einarbeiten.“

  16. 16

    @wef: Nunja, es ist nicht so, daß die Idee nicht bereits umgesetzt würde. Im Fachbuch gibt es das schon lange, Thieme und Elsevier z.B. machen das bereits, zum Teil schon seit Jahren.
    Und auch ansonsten wird die Idee durchaus umgesetzt. Gerade eben hat Haffmans & Tolkemitt damit begonnen: http://bit.ly/vVkhup
    Es mag sein, daß man sich das schneller und breiter wünschen würde, aber erstaunlicherweise kosten Veränderungen im Workflow und in der Geschäftsstrategie Geld und andere Ressourcen. Alles in allem glaube ich aber durchaus, daß die Buchverlage auf dem Weg sind. Wir hatten 2010 in der Branche einen Marktanteil von ca. 1% für ebooks. Das wird 2011 anders aussehen, 2012 erst Recht. Denn Reader sind nicht nur bei amazon ein großes Thema im Weihnachtsgeschäft und eine größere Verbreitung der Geräte wird einen erheblichen Markstdruck erzeugen, der hoffentlich auch Bewegung in Preise und Lizenzierungsmodelle bringt.

    Zum Thema: Auch wenn ich weiterhin überzeugt bin, daß der Kindle dem Sony Reader mehrfach unterlegen ist, muß ich zugeben, die Mexxbooks-Idee ist äußerst smart – und funktioniert so perfekt wahrscheinlich auch wirklich nur in einem geschlossenen System (denn machen wir uns nichts vor: Amazon spielt da nicht zuletzt auch deshalb mit, weil sie jederzeit die Kontrolle über Geräte und Daten behalten).

  17. 17

    mehrere Geräte bei einem account anzumelden ist nicht illegal.
    bei amazon steht sogar direkt unter der Liste der angemeldeten Geräte ein Hinweis, wie man vorgehen muss, wenn eine andere Person mit einem anderen Kindle ein und dasselbe Buch von diesem Account lesen will.

    Kein Graubereich.
    Beim ersten Mal kam ich mir aber trotzdem vor wie ein Räuber in der Nacht.

    Was man nicht darf, sind Verwertungen, also Geld verdienen durch Miete (impliziert Geldfluss), etc.

  18. 18
  19. 19
    bbb

    Soviel zum Thema Partnerschaft, Tolerierung durch Amazon und Legalität: Amazon hat das Konto offenbar gesperrt und der Admin verabschiedet sich:

    http://forum.mexxbooks.com/index.php?page=Thread&postID=26954#post26954

    http://forum.mexxbooks.com/index.php?page=Thread&postID=28011#post28011

    Zitat: „amazon hat uns mitgeteilt, das die Mitglieder des Vereins also IHR als dritte Personen zu behandeln sind, an die wir unberechtigt die Buchlizenzen weitergeben, also eine Urheberrechtsverletzung.“

    Nee, das Bild vom Nagetier und dem lecken Kahn drängt sich mir überhaupt nicht auf!

  20. 20
    Horst

    Nach über fünf Monaten warte ich immer noch auf mein Geld. Leider wollte ich am Club teilnehmen, als gerade das ganze Problem mit amazon startete, und mexxbooks von amazon wegen Betrug geschmissen wurde. Danach kam die Umstellung auf das aktuelle Geschäftsmodell (denn das ist es schließlich, auch wenn man sich etwas euphemistisch als Club bezeichnet). Da ich bis dahin nicht aktiviert wurde, kündigte ich direkt wieder, weil ich das neue Modell nicht so ganz verstanden hatte, aber mich dafür auch nicht bei mexxbooks angemeldet hatte. Jedenfall: Kündigung wurde akzeptiert, Geld bis heute nicht rückerstattet. Und auf Mails wird auch nicht geantwortet. Weil mexxclub nach englischem Recht firmiert, ist eine Strafverfolgung schwer bis super lästig. Ich kann nur sagen (und damit bin ich nicht allein): Onleihe.de statt mexxbooks!

  21. 21
    Klaus

    Mexxbooks macht aktuell einen sehr unseriösen Eindruck. Ein zumindest großer Teil von Kunden, die den Kindle Paperwhite bestellt hatten, haben trotz Verfügbarkeit des Paperwhites bis heute keinerlei Zusendung bekommen. Auch bei stornierten Bestellung gab es keine bekannten Rückzahlungen. Das Ganze wird gegenwärtig im Amazon Forum diskutiert, einlösbar unter http://www.amazon.de/forum/kindle?_encoding=UTF8&cdForum=Fx2GSZQCKNBOV5W&cdThread=Tx2YXCGMRYISS8Z

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