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Die Hölle friert zu: GEMA und YouTube haben sich geeinigt

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Ich weiß nicht, wie oft wir in den letzten Jahren hier über das leidliche Thema „YouTube und GEMA“ geschrieben, diskutiert und gestritten haben. Fest steht nun endlich, dass die blöden Hinweise zur Nichtverfügbarkeit bestimmter Musikvideos bei YouTube der Vergangenheit angehören. In den nächsten Tagen und Wochen werden sie verschwinden, denn die beiden Kontrahenten haben sich geeinigt. YouTube zahlt an die GEMA und damit an die Urheberinnen und Urheber. Wieviel, und ob das auch rückwirkend gilt: das weiß ich noch nicht.

Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich bei der Sache auf Seiten der GEMA stand (wo ich bei vielen anderen Themen nicht stehen wollte). Im Gegensatz zu fast allen anderen Ländern hat es die deutsche Urheberrechtsvertretung geschafft, sich dem Druck der Labels und anderer Interessensvertreter*innen nicht zu beugen und hart zu verhandeln. Es hat lange gedauert. Aber es ist vollzogen. Glückwunsch an alle!

13 Kommentare

  1. 01

    YouTube zahlt jetzt. So wie sie es auch in anderen Ländern machen. Nicht vergessen: YouTube wollte immer schon lizenzieren. Nur eben nicht zu deren Mondpreisen. Und ein Grund dafür war immer, dass YT noch nicht so weit etabliert war, diese überhaupt über Werbung finanzieren zu können. Jetzt sind Jahre ins Land gegangen, YT wird ausgebaut und hat sowohl Werbekunden, als auch ein Abomodell (Red). Und die GEMA hat gleichzeitig Prozesse verloren, scheint sich nun endlich bewegt und von ihren Maximalforderungen Abstand genommen zu haben. Glückwunsch für alle. Vor allem den Musikern, die unter ihrem Verband zu leiden hatten.

  2. 02
    jst

    Hi Johnny,

    was mich tatsächlich interessiert: Weißt du als Gema-Mitglied, ob ihr auch rückwirkend Geld sehen werdet und erfahrt ihr die Vergütungsätze als Mitglieder? Oder ist die Frage noch viel zu früh gestellt?

    Merci und Gruß – JST

  3. 03

    @jst: Ich weiß es noch nicht. Fällt bei meinem Kram jetzt auch nicht wirklich ins Gewicht, denke ich, aber insgesamt ist das natürlich eine spannende Frage, die sicher demnächst beantwortet wird.

  4. 04

    Ja, die Einigung ist erfreulich und mein erster Gedanke war tatsächlich „die Hölle friert zu“, lache herzlich darüber, das hier als Headline zu lesen. Es soll (angeblich) rückwirkend bis 2009 Kompensationszahlungen geben (die Höhe wurde nicht kommuniziert). Auch über die Höhe der Lizenzzahlungen soll Stillschweigen vereinbart worden sein. Das ist in diesem Fall äusserst unbefriedigend, da hier ja wirklich länger gestritten wurde, als über die Zerstörung Karthagos durch die Römer.

  5. 05
    lupino

    Hm, dass du in der GEMA bist, war irgendwie an mir vorbeigegangen bisher.

    An sich ist es begrüßenswert, wenn Künstler durch die Verwertung ihrer Werke vergütet werden, das trifft aber für viele Künstler, die von der GEMA „vertreten“ werden, kaum zu. Mich würde beispielsweise mal interessieren, wie viele Views ein Video im Jahr haben muss, damit die Interpretin ihre GEMA-Beiträge wieder rein kriegt, angenommen sie veröffentlicht nirgends sonst.

    Apropos VGen: was sagst Du denn eigentlich zur C3S?

  6. 06
    Ligeti_

    @Olaf: Olaf

    „Nicht vergessen: YouTube wollte immer schon lizenzieren.“

    Wie lustig und wie süß, noch ein kleiner Hobby-Lobbyist für das arme Google….

    Kannst deine „Arbeit“ langsam einstellen. Youtube musste sich bewegen, weil sie bei RedTube auf die GEMA angewiesen sind, weil die EU eine Gesetzesinitiative plant, um den „Value Gap“ zu schließen („MakeInternetFair“) und weil sie wahrscheinlich den kommenden Prozess vorm Verfassungsgericht ohnehin verloren hätten. Dann hätte ihre Trickserei ein Ende gehabt. So haben sie es wenigstens geschafft nicht wie ein geprügelter Hund dazustehen.

    Sorry, wenn es das Playmobil-Piraten-Weltbild zerstört, aber die Kulturschaffenden leiden unter der Knute eines ausbeuterischen Internetmonopolisten, nicht an ihrem eigenen Inkasso-Dienstleister, denn der hat wirklich GROSSARTIGE Arbeit geleistet – Hut ab, GEMA!

  7. 07
    Markus

    @Ligeti_:

    „Nicht vergessen: YouTube wollte immer schon lizenzieren.“

    Und die GEMA wollte nicht, sondern MUSSTE schon immer lizenzieren, Stichwort Kontrahierungszwang. Die GEMA hatte auch schon vor über drei Jahren mit MyVideo, Clipfish, Putpat, TapeTV usw. einen Vertrag abgeschlossen, mit dem sich alle Seiten zufrieden zeigten. Wieso Youtube als Branchenprimus sich nicht anschließen wollte, erzeugt da einige Fragezeichen. Und da die GEMA auch alle Lizenznehmer gleich behandeln muss, musste sie auch Youtube vergleichbare Tarife anbieten wie den anderen Videoportalen. Der Ball lag also ganz klar auf Seiten Google/Youtube.

  8. 08
    jst

    @Johnny Haeusler: Okay, dann bleibe ich mal „stay tuned“ oder wie das im Französischen heißt.

  9. 09
    flubutjan

    Sind Korrekturen defizitorientiert? Macht man sich damit groß? Ick weeß et nich. Ich weiß nur, dass es vielleicht auch manch „leidliches Thema“ geben mag, in der Regel aber „leidige Themen“ gemeint sind.
    (Man hat es als jemand, für den neuerdings angeblich „streitige“ Themen nach wie vor „strittige“ Themen sind, der sich andererseits aber auch einer „Fehlerkultur“ („Danke, Fehler“) verpflichtet sieht, auch nicht leicht. Tipp: https://books.google.de/books/about/Lob_des_Irrtums.html?id=BEFZAgAAQBAJ&source=kp_cover&redir_esc=y)

    Musikalische Begleitung:
    https://www.youtube.com/watch?v=MwfDugg26rA
    (Danke YT, danke GEMA)

  10. 10

    @flubutjan: Also der Duden lässt „leidlich“ zu.

  11. 11
    flubutjan

    @Johnny Haeusler: „Leidlich“ gibt’s, klar. Nur: Was wäre ein „leidliches Thema“? Jedenfalls eines, bei dem es bspw. zum „dollen“, „spannenden“ oder „unterhaltsamen“ Thema nicht ganz reicht. Es ist eben nur gerade so, „leidlich“ halt, annehmbar. Exkurs ‚Rechthabenwollen philosophisch gesehen‘ entfällt an dieser Stelle. Ein Thema, das ewig gewälzt wird, tausendmal besprochen wurde und sich doch immer wieder aufdrängte, dis is: ein „leidiges“ Thema. Und da Du hier ja nu aber prinzipiell auch immer ausschließlich oberdolle Themen bearbeitest, kannst Du doch nur „leidig“ gemeint haben, Alter. Denen, die sich nun fragen „Und? Freu ick mich jetz?“ einfach dies: https://www.youtube.com/watch?v=z-HMdRqE-FU

  12. 12
    flubutjan

    Leidliche Themen, Beispiele:

    – „Die Schönheit der Formel 1“

    – „Grünglas und Braunglas – Unterschiede in der Zusammensetzung“

    – „Zusätzlicher Stauraum durch Regale“

    – „Eberhard Diepgen beim Pilzesammeln“

  13. 13
    flubutjan

    @Johnny Haeusler: Lieber J.,
    falls Du „Also der Duden lässt „leidlich“ zu“ doch ‚unlustig kustig‘ gemeint hast (s. http://www.spreeblick.com/blog/2016/11/11/undifferenzierter-trump-rant-mit-hoffnungsvollem-ende/), antworte ich darauf natürlich einfach nur:

    Klar. :-)

    „Hier spielt die Musik. Da drüben laufen nur Trauermärsche.“ (s. http://www.spreeblick.com/blog/2016/11/11/undifferenzierter-trump-rant-mit-hoffnungsvollem-ende/) Yess! https://www.youtube.com/watch?v=WMmpolY2Z5M

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