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Wikileaks und Julian Assange: Anarchy In The IP?

Es ist nicht ganz einfach, sich ein Bild von den Wikileaks-Aktivitäten und der Motivation von Gründer Julian Assange zu machen, wenn man der vereinfachten Darstellung, dass die Freigabe bisher geschützter Informationen an sich etwas einzig Gutes sei, nicht ganz trauen mag. Schließlich weiß auch das Wikileaks-Team selbst, dass Informationen ohne umsichtige Behandlung, ohne Kontext und speziell im Fall von schier endlosen Mengen ohne redaktionelle Aufarbeitung oftmals mindestens wertlos sind: Die früheren Versuche von Wikileaks, die Analyse von Massen-Leaks der Community zu überlassen, schlugen fehl, so gut wie niemanden interessierten die Datenmassen. Erst, als man mit großen Medienhäusern kooperierte und Julian Assange bewusst als Gesicht von Wikileaks mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt wurde, zeigten die Leaks mediale Wirkung und Wikileaks erlangte größere Bedeutung als zuvor.

Ich gebe zu, dass mich die aktuellen Geschehnisse rund um die Whistleblower-Plattform und seinen charismatischen Gründer faszinieren wie ein Agenten-Thriller, doch von solchen Medieneffekten wird man nicht satt, weshalb ich mich neben aktuellen Interviews und Dokumentationen auch mit früheren Statements von Julian Assange beschäftigt habe, den manche für einen Anarchisten halten, andere für einen leidenschaftlichen Demokraten. Mir scheint, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Natürlich bleibt dabei jeder Versuch der wirklich umfassenden Recherche zu den Hintergründen von Assanges Vorgehen vage – wer will schon anhand einiger Artikel eine Person oder Organisation korrekt einschätzen? Mit einer gehörigen Portion Paranoia kann man schließlich alles als irgendwie gesteuert oder als Fake empfinden. Oder als Verschwörung. Womit wir auch schon bei einem der Lieblingswörter des Wikileaks-Gründers wären.

Nur von 2006 und 2007 reichen die Blog-Einträge von Julian Assange, die bei archive.org zu finden sind, doch es gibt genug zu lesen. Geradezu poetische und philosophische Einträge wechseln sich mit Analysen und Literatur-Zitaten ab, neben großartig formulierten Gedanken mangelt es auch an Arroganz nicht, denn wie viele andere Denker scheint auch Assange davon überzeugt, als einer von Wenigen wirklich Ahnung zu haben. Ein Mann auf der Suche nach der allumfassenden Wahrheit und vor allem nach Gerechtigkeit, je nach Lesart seiner Zeilen irgendwo zwischen gutherzigem Genie und besessenem Global-Paranoiker angesiedelt. Nie erfährt man genau, was sich Assange unter einer gerechteren Welt vorstellt, doch man hat an keiner Stelle das Gefühl, dass er sich zu einem Anführer aufspielen will.

Nun ist Julian Assange nicht der erste oder einzige Mensch, der sich über den Zustand der Welt und darüber, wie man sie verbessern und Ungerechtigkeit verhindern kann, Gedanken gemacht hat, doch er ist mit Wikileaks auch zur Aufsehen erregenden Tat geschritten.

Assanges Plan zum Erreichen von Gerechtigkeit für eine bessere Welt manifestiert sich dabei in den recht kurzen Aufsätzen „State and Terrorist Conspiracies“ („Staats- und Terroristen-Verschwörungen“) und „Conspiracy as Governance“ („Verschwörung als Herrschaft“), in denen er den zu bekämpfenden Feind benennt und die eigene Theorie formuliert, wie dieser am besten anzugehen sei, um Reformen zu erzwingen. Und darum scheint es ihm in erster Linie zu gehen. Um Reformen, nicht um den Sturz von Regierungen. Beide Texte sind hier als PDF abrufbar und können durchaus als theoretische Grundlage für Wikileaks betrachtet werden.

Zusammengefasst sieht Assange am Kopf einer jeden autoritären Regierung (und es gibt keinen Hinweis darauf, dass er damit nicht jede aktuell bestehende Regierung meint) die Verschwörung, die in boshafter Absicht gegen den individuellen und gesellschaftlichen Willen nach Freiheit, Gerechtigkeit und Selbstverwirklichung arbeitet und allein deswegen Geheimhaltung braucht, um sich vor Widerstand zu schützen. Dieser Widerstand tritt nach Assange quasi natürlich auf, da niemand unter autoritärer Herrschaft leben will (einen natürlichen Willen zur Demokratie gibt es nach Assange auch nicht).

Um diese Verschwörungen zu zerstören, die Assange mit einem Brett voller Nägel – den Verschwörern – vergleicht, zwischen denen unterschiedlich dicke Bindfäden den unterschiedlich schwerwiegenden verschwörerischen Informationsfluss symbolisieren, haben „traditionelle Angriffe auf Verschwörungen oder Machtgruppen“ einzelne Verschwörer getötet, doch Assange glaubt, einen effektiveren Weg gefunden zu haben. Nicht die Zerstörung der Verschwörer oder des Informationsflusses müsse erreicht werden, sondern es genüge, Lecks (Leaks) zu kreieren, das „Übertreten des Inneren ins Äußere“. Lecks in einer ungerechten Organisation, einer Verschwörung also, führen nach Assange zu Paranoia und Furcht innerhalb der Verschwörung, die dadurch quasi implodiert und an Handlungsspielraum und Macht verliert. Ungerechte Organisationen können so durch gerechtere ersetzt werden. Von der Maxime „Think globally, act locally“ hält er dabei überhaupt nichts, er ist seinen Blogeinträgen nach davon überzeugt, dass nur globale Aktionen etwas bewegen können – deshalb agiert das Wikileaks-Team so, wie es agiert.

Wie jeder intelligente Mensch mit Herz – und für einen solchen halte ich ihn – möchte auch Julian Assange die Welt verstehen und am liebsten verbessern. Für seine Sicht auf die Welt scheint er dabei seine Kenntnis von Computersystemen heranzuziehen und er versucht, Handeln und Denken von Menschen als System mit bestimmten Regeln, Konstanten und Lücken zu identifizieren, eine Vorgehensweise, die er mit vielen Programmierern, Hackern und anderen Ingenieuren teilt.

Ich bin vielleicht nicht klug genug, um die Richtigkeit dieser Herangehensweise an das Leben beurteilen zu können, doch ich habe meine Zweifel, denn ich weiß nicht, wie und wo menschliche Eigenschaften wie Liebe und Hass, Angst und Mut und vor allem Fehlbarkeit in solchen Systemen reflektiert sind, in denen sie als Unzulänglichkeiten, als weder für die Instandhaltung noch die Bekämpfung bestimmter Systeme vorhersehbare Faktoren gelten müssen (es gibt bei Cryptome einen Text, der sich anscheinend mit diesen Faktoren beschäftigt).

Die Essays von Julian Assange sind jedoch äußerst interessante Lektüre, denn sie zeigen, dass es Assange zumindest zum Zeitpunkt des Entstehens der Arbeiten weniger um die die tatsächlichen Inhalte der von Wikileaks veröffentlichten Dokumente geht, als um die Leaks an sich. Sie sind nach Assange das strategische Mittel zum Zweck der Schaffung einer „gerechteren Welt“.

Die Umsetzung von Assanges Plan ist dabei leider nicht frei von Paradoxien, mit denen Wikileaks – längst selbst eine Organisation – und alle in Zukunft entstehenden Whistleblower-Sites wie z.B. Openleaks, das angekündigte Projekt des ehemaligen Wikileaks-Mitarbeiters Daniel Domscheit-Berg, umgehen müssen. Wenn Assange im Zusammenhang mit Veröffentlichungen, die man ob der Masse nicht in jedem Detail redaktionell bearbeiten kann, und der damit einhergehenden Möglichkeit der Gefährdung von Unschuldigen von „Kollateralschäden, wenn man so will“ spricht; wenn er zudem zugibt, Risiken allenfalls minimieren zu können und durchaus die Möglichkeit bestünde, dass Wikileaks-Mitarbeiter in Einzelfällen „Blut an ihre Hände“ bekommen könnten (Quelle); wenn der Erst-Zugang zu Wikileaks-Dokumenten an meistbietende Medienunternehmen versteigert werden soll, dann begibt man sich in eine gefährliche Nähe zu den kritisierten Systemen und es ist fraglich, ob die Beteuerung der moralisch und ethisch überlegenen Ziele ausreicht. Und ob es genügt, diese Ziele mit „besser und gerechter“ zu umschreiben, ohne sie genauer zu entwerfen. Macht ohne Verantwortung wird auch bei Wikileaks oder anderen nicht funktionieren.

Dabei ist es im Grunde ja der eigentliche Wunsch von Julian Assange, Wikileaks überflüssig zu machen. Ob seine Hoffnung auf offenere, gerechtere Regierungen dabei nur eine naive Utopie ist oder ob sie auch erfüllt werden kann, wird erst die Zukunft zeigen und die Art, wie die Welt und insbesondere ihre Regierungen mit dem Phänomen Wikileaks umgehen.

Denn bei aller Ungerechtigkeit und Grausamkeit, die existiert, ermöglichen die ebenfalls von Menschen geschaffenen Strukturen in einigen Teilen der Erde immerhin eine relativ transparente Auseinandersetzung, einen offenen Diskurs über das, was derzeit passiert. Wir haben die Möglichkeit, abzuwägen, Meinungen auszutauschen, zu überlegen, aus Fehlern zu lernen und entsprechend zu reagieren – wir haben die Möglichkeit, tatsächlich etwas anders zu machen. Etwas besser zu machen.

Die Strategie von Julian Assange ist längst aufgegangen, der Geist ist aus der Flasche und die Regierungen der Welt sind im Zugzwang. Die Welt, der an Gerechtigkeit und an Menschlichkeit gelegen ist, hat dabei nichts zu befürchten, doch sie muss handeln. John Naughton bringt es im Guardian auf den Punkt: Entweder, Regierungen lernen, mit einer „wikileakbaren Welt“ zu leben, oder sie müssten das Internet abschalten. Es gibt es unter den Augen der Öffentlichkeit keine andere Methode, mit den bestehenden und kommenden Leaks umzugehen, als mehr Offenheit – oder ganz offensichtliche Unterdrückung.

Anstelle von krummen Tricks, die Wikileaks auf Umwegen schädigen sollen, müssen Debatten, Dialog und Reform treten. Die Öffentlichkeit hat berechtigtes Interesse an den wichtigen Entscheidungen, die auf der Welt getroffen werden, und sie hat ein Recht darauf, Hintergründe zu erfahren. Dies sind, wenn ich ihn aus der Ferne richtig einschätze, Anliegen und Hoffnung von Julian Assange, einem Mann, der sich mit Wikileaks einer Aufgabe angenommen hat, die weite Teile der Politik seit vielen Jahren missachten.

Das angebliche Monster, als das einige Mächte Wikileaks und Assange darzustellen versuchen, haben sie selbst kreiert, und es ist daher auch an ihnen, damit umzugehen. Wir schauen aufmerksam und alles andere als tatenlos dabei zu.

49 Kommentare

  1. 01
    Namen, hui =)

    Danke :)

  2. 02

    ui… guter artikel, johnny.

  3. 03

    Große Klasse, dieser Artikel!

  4. 04

    Ich sehe alles viel einfacher. Die Kommerzialisierung der Markkräfte hat der Menschheit sprichwörtlich die Kehle zugeschnürt – wir sind schon eifrig dabei, in die totale Materialität abzusinken. Ich denke, dass eine gut informierte Bürgerschaft das Schlimmste noch verhindern kann. Wenn jeder einigermaßen Bescheid weiß, was hier wirklich abgeht (und nicht nur shoppen geht!!!) , können wir endlich anfangen, unsere sozialen und ökonomischen Systeme so umzugestalten, dass ein Impuls des „miteinander Teilen“ (auch der Weltressourcen) und Zusammenarbeit statt dieses fürchterlichen Konkurrenzkampfes von ihnen ausgehen wird. Irgendwann einmal – hoffentlich bald – wird sich keine Regierung mehr der Stimme des Volkes widersetzen können. Wikileaks ist auch nur ein Meilenstein auf dem Weg …. und ich bin froh, dass jemand einen Anfang gemacht hat. Danke J. Assange und auch dem Autor des Artikels.

  5. 05
    Tharben

    Entweder, Regierungen lernen, mit einer „wikileakbaren Welt“ zu leben, oder sie müssten das Internet abschalten.

    Wollen wir mal versuchen, eine ehrliche Antwort von Buch- und Zeitungsverlagen, Musikindustrie, Filmindustrie und nicht zuletzt Journalistenverbänden, ja, sogar Gewerkschaften zu erhalten?

    Sie alle würden insgeheim liebend gern das Netz und die Digitalisierung rückgängig machen. Darum geht es doch in all den Gesetzen, Staatsverträgen, Vorratsdatenspeicherungen, Sperrungen und Zugangsbeschränkung: Internet abschalten. Oder wenigstens bis zur Unkenntlichkeit verstümmeln.

  6. 06

    Guter Artikel, wenngleich ich solche Sätze wie den folgenden mindestens zweimal lesen muss. Bin ja nicht mehr der jüngste.

    Um diese Verschwörungen zu zerstören, die Assange mit einem Brett voller Nägel – den Verschwörern – vergleicht, zwischen denen unterschiedlich dicke Bindfäden den unterschiedlich schwerwiegenden verschwörerischen Informationsfluss symbolisieren, haben „traditionelle Angriffe auf Verschwörungen oder Machtgruppen“ einzelne Verschwörer getötet, doch Assange glaubt, einen effektiveren Weg gefunden zu haben.

  7. 07
    Max Power

    TL;DR

  8. 08

    @Marius: Was glaubst, wie oft ich das bei Assange lesen musste? ;)

  9. 09

    @Max Power: SGNK.

    (Sorry, ging nicht kürzer.)

  10. 10
    Anonymous

    Selbst wenn durch irgendwelche Leaks 1000 Menschen sterben würden, wäre das ein unbedeutender Witz im Vergleich zu den Opfern, die bereits gebracht wurden, weil diese Geheimnisse geheim geblieben sind. Ich kann dieses Argument nicht mehr hören! Diese scheiß Soldaten haben Spaß dabei gehabt, Reporter aus einem Hubschrauber abzuschießen, genauso wie die Zivilisten, die dazu kamen um den Verletzten zu helfen! Denkt irgendwer, dass sei ein Einzelfall gewesen? Die USA und viele Regierungen des „globalen Nordens“ haben 1000mal mehr Leben auf dem Gewissen als irgendwelche Terroristen. So viele Diktatoren, die weltweit mit Hilfe von CIA und Konsorten eingesetzt wurden.

    Wikileaks versucht einfach nur auszubrechen aus den traditionellen journalistischen Medien, die in diesem korrupten System existieren und deshalb so stark und bei jeder Möglichkeit beschränkt werden. Und wie diese Repressalien aussehen, lesen wir jeden Tag in den Medien..

    An WL sehe ich nichts Illegales oder Bedenkliches, Geheimnisse gehören in das Privatleben, alles andere was professionell betrieben wird, vor allem Politik, hat kein Recht auf Geheimnisse.

    Wie soll der Bürger wählen, wenn er nicht weiß, was die von ihm gewählten Repräsentanten denken und machen? Trivialer kann die Problematik doch eigentlich nicht sein..

  11. 11
  12. 12
    Laurenz

    Ganz hervorragender Artikel.

  13. 13
    Bernd Schneider

    Vollidioten Artikel von Nem verunsicherten Vogel der keine Ahnung hat von dem was in der. Welt abgeht total naiv und bescheuert ja wikileaks ist unrealistisch und die Regierung hat keine Wahl als sich zu bessern natürlich schalten sie das Internet ab wenns zu bunt wird und wir lassens uns genauso gefallen wie wir jede scheisse bis jetzt geduldet haben

    Getippt mit Handy also keine rechtschreibkommentare…..

  14. 14

    Nach den ganzen Jubel- und Lobpreisungsarien will ich mal wieder der sein der ein bisschen meckert und auch ein paar andere Sichtweisen bringt.

    Bevor ich damit anfange, nein, ich finde nicht dass die US-Regierung und die verschiedenen Firmen richtig handeln in ihrem derzeitigen Umgang mit Wikileaks. Nicht nur wegen dem Streisand-Effekt, sondern weil die Frage eigentlich nicht Wikileaks ist, sondern generell eine Welt in der Informationen inzwischen sehr viel leichter vervielfaeltigt und verbreitet werden koennen.

    Wie bereits oben teilweise angedeutet werden sich Regierungen und Firmen an eine „wikileakbare“ Welt gewoehnen muessen. Ebenso werden es auch die Menschen an sich. Und das werden sie.

    Ich habe nur so meine Zweifel ob das die schoene neue Welt wird die sich viele erhoffen.

    Eine der ersten Reaktionen wird sein weniger zu dokumentieren oder wenn noetig diese schneller zu vernichten. Was nicht dokumentiert ist kann auch nicht „geleakt“ werden.

    Anstelle von mehr Leuten werden eher weniger Leute Zugang zu Informationen bekommen. Die Diplomatendepeschen waren ja nie sonderlich geheim, meines Wissens hatten 3 Mio, ja, 3 Mio, US Government Angestellte Zugang dazu. Ich schaetze das wird in Zukunft reduziert werden, wenn weniger Leute Zugang dazu haben sinkt die Wahrscheinlichkeit dass etwas „geleakt“ wird.

    Diplomatische Beziehungen werden schwieriger. Diplomatie heisst eben genau das, nicht immer offen seine Meinung sagen, sondern der anderen Seite auch mal etwas nur durch die Blume zu sagen. Diplomatie heisst auch die andere Seite ihr Gesicht wahren zu lassen wenn sie Zugestaendnisse macht, das geht meistens nur in dem man eben nicht alle Details oeffentlich macht.

    Insbesondere in Diktaturen und repressiven Staaten wird es schwieriger werden Informationen unter anderem ueber Menschenrechtsverletzungen zu bekommen, jeder Informant wird es sich drei Mal ueberlegen ob er informelle Kanaele sicher nutzen kann um Informationen ausser Landes zu bekommen. Auch wird es fuer Diplomaten als auch Hilfsorganisationen schwieriger werden in solchen Laendern zu operieren, eben weil den dortigen Machthabern jetzt klar wird wie verschiedene Informationen an die Weltoeffentlichkeit gelangen. Vor ein/zwei Wochen habe ich einen recht interessanten Artikel gelesen der beschrieb wie diese informellen Kanaele funktionieren und wie Wikileaks diese vermutlich zum versiegen bringen wird, leider habe ich den Link nicht mehr. Sollte ich ihn noch einmal finden werde ich ihn nachreichen.

    Es gibt genuegend Artikel in den Weiten des Internets die all dies beschreiben, dieser hier scheint mir eine recht gute Zusammenfassung der moeglichen Folgen und Entwicklungen zu sein. Ich fuerchte sehr vieles von diesem wird eintreten, entgegen dem was man eigentlich erreichen wollte.

  15. 15

    Natürlich werden sie im Zweifelsfall das Internet abschalten oder zumindest zerlegen, bis kein Internet mehr übrig ist. Der Bürger wird sie nicht daran hindern. Es gibt nur eines, was das Internet retten kann. Der Atomstrom wird ja schließlich auch nicht einfach abgeschaltet, obwohl die Bürger genau das wollen. Wenn sich also eine lobbyistisch agierende Internet-Industrie dafür einsetzt, dann wird das Internet bleiben. Wie es dann aussehen wird, das möchten wir uns aber auch nicht ausmalen.

  16. 16
    Enquête

    Ihr habt 2x nacheinander Wikileaks gesagt. An einem Tag!!!

  17. 17
  18. 18
    Skripach

    “Die Wahrheit über Herrschaft und Ausbeutung wurde von Wikileaks und Transparenz-Kampagnen nicht bekannter gemacht: daß sie nämlich abgeschafft gehören, wenn die Menschen frei sein sollen. Die dagegen läppischen Wahrheiten über dieses oder jenes Verbrechen helfen dabei wenig.”
    http://www.classless.org/2010/10/25/einreichung-zum-27c3-vortrag-zu-wikileaks-und-transparenz/

  19. 19

    Ich bezweifle, dass sich trotz der Mediendarstellung die „breite Masse“ mit Wikileaks insofern beschäftigt, dass sie sich dort einloggt und selbst die dortigen Darstellungen liest. Zumindest aus meinem doch sehr breiten Bekannten- und Kollegenkreis hat dieses niemand getan und stützten ihr „Diskussionswissen“ ausschließlich auf das, was sie zwangläufig durch die Massenmedien erfahren haben. Aber vielleicht ist es gerade das, was Herr Assange erreichen wollte.

  20. 20
    Namen, hui =)

    @Skripach: Der zitierte Text könnte ja glatt aus der Altermedia-Kommentarspalte kommen. Für die, die Altermedia jetzt nicht kennen: Das ist ’ne braune Seite. Braun, weil die sich da gegenseitig mit ihrem Verbaldung vollblähen und an allem DIE DA schuld sind, aber NIEMAND sagt es. Na ja, außer der jeweilige Kommentator, aber ALLE anderen SEHEN halt DIE Wahrheit nicht. Weißt schon. Achja, und das Reich wird neu erstehen.

    Das ist so typisch deutsch, dieses „Eigentlich mein ich ja total dasselbe, aber weil ich bei Wikileaks nie mitgearbeitet hab, tu ich erstmal so, als sei das voll scheiße und sag am Ende trotzdem genau dasselbe, nur daß ich im Gegensatz noch gar nichts erreicht hab.“

    Ach und äh, für alle Reaktivkognitiven: Ich hab mit den Typen vom rechten Ufer nichts am Hut; Johnnys Artikel ist klasse und Wikileaks hat’s richtig gemacht; das bedeutet nicht das Monopol auf irgendetwas; Danke! :)

  21. 21

    @Armin: Ich habe eine Woche lang fast nichts anderes recherchiert als Wikileaks/ Assange und deine Anmerkungen sind völlig berechtigt, man könnte mindestens ein Dutzend Artikel ähnlicher Länge verfassen zu dem Thema. Es war sehr schwierig, das alles halbwegs zusammenzufassen und trotzdem bleiben Aspekte auf der Strecke.

    Im WSJ gibt es den Artikel eines ehemaligen Staatssekretärs, der ebenfalls die strengere Geheimhaltung und damit fehlende Informationen für die Geschichtsschreibung befürchtet. Sicher auch kein unberechtigter Punkt.

  22. 22

    @Johnny Haeusler:

    Glaube ich Dir gerne, das Thema ist komplex und schwierig zu behandeln. Ich halte nur diesen Punkt fuer sehr wichtig und er geht leider in dem ganzen Getoese und Geschrei um Wikileaks und Assange unter, wenn es eigentlich um viel mehr geht. Wikileaks ist ja eigentlich nur ein Symptom des ganzen.

    Danke fuer den Shultz Link, den kannte ich noch nicht. Ich wuerde da noch etwas weiter gehen (bzw genau gesagt Shultz, der das schreibt): Es geht nicht nur um Geschichtsschreibung, sondern mehr, naemlich um aus der Geschichte zu lernen. Wenn die Geschichtsschreibung und das Geschichtsverstaendnis all diese Informationen nicht mehr zur Verfuegung hat (und das wird sie mit extrem grosser Wahrscheinlichkeit nicht) dann koennen wir die Geschichte nicht mehr verstehen und nicht mehr aus den Fehlern lernen. Das ist seine Sorge, und teile sie mit ihm.

  23. 23

    Faszinierend und beängstigend ist hier, wie Journalisten aufklären wollen, Journalismus selbst zum Thema wird, Journalimus zum Mittel gegen aufklärerischen Journalismus wird, Journalismus nur Teile des Ganzen darstellen kann und deshalb immer einer „wahren“ Berichterstattung hinterherhinkt.
    Irgendwie wirkt das ganze noch unkontrollierbarer als sonst. (Das ist es, was mir Angst macht.)

  24. 24

    @Armin: Ja, ich verstehe seinen Punkt auch und habe mich beim Lesen gefragt, ob Geschichte damals, in seinem Reagan-Beispiel, anders verlaufen wäre, wenn man diese Hintergründe mitbekommen hätte.

    Aber ich glaube, es geht nicht darum, alles zu veröffentlichen. Es geht darum, Unrecht zu entdecken, was eigentlich Aufgabe der Politik wäre. Falls es noch Teile gibt, die sich dessen verpflichtet fühlen.

    @Franz: Vielleicht gibt es aber „den Journalismus“ genauso wenig wie „die Blogs“ oder „den Politiker“. Differenzierung wird in Zeiten der Informationsflut sicher nicht leichter, ist aber immer angebracht. Denn die Wahrheit zu finden, das fällt sicher auch denjenigen Journalisten oder Politikern schwer, die sich beste Mühen geben.

  25. 25
    Sven

    @Namen, hui =): Hui! Bitte lies Daniel Kullas Text noch einmal (oder vielleicht zum ersten Mal). Und dann erklär bitte, wie du auf den haarsträubenden Vergleich mit Altermedia kommst.

  26. 26

    @Johnny Haeusler:

    Fuer Wikileaks mag es vielleicht darum gehen Unrecht zu entdecken, nur geht es in meinen Augen bei diesem Thema inzwischen gar nicht mehr allein um Wikileaks. Es geht um eine „(wiki-)leakbare Welt“, in der eigentlich nichts mehr sicher ist. Es gibt genuegend Leute da draussen die meinen alles waere „leakbar“.

    Und auf genau das werden sich die Politik, die Regierungen und Firmen einstellen.

    Die Tragweite von Wikileaks ist viel weiter als Wikileaks alleine.

  27. 27
    maxe

    Danke für diesen umfangreichen und interessanten Beitrag.

  28. 28

    @Armin: Ich denke, man sollte auch nicht über reagieren. Die Herausforderungen der digitalen Welt sind ja schon länger bekannt und obwohl vielleicht alles „leakbar“ ist, stellt sich immer noch die Frage, wen es interessiert. Dass Privatsphäre weiterhin respektiert werden muss, ist klar, dass die Aneignung bestimmter Daten strafbar sein kann, muss man auch wissen. Aber auch in der analogen Welt passiert nicht alles, was passieren könnte, ich bin in solchen Dingen eher Optimist.

  29. 29

    Es geht weiter, wieder verliert wikileaks eine Bankverbindung. Visa, Mastercard, Paypal und jetzt die Bank of America: Die Großbank reiht sich bei den Unternehmen ein, die Zahlungen an WikiLeaks sperren. Vielleicht liegt es daran, dass wikileaks als nächstes Ziel eine amerikanische Grossbank anvisierte. Auf der anderen Seite wird man an diesem Beispiel sehen, ob es auch auf Seiten der Banken monopolistische Strukturen gibt. Das wäre wirklich nicht gut.

  30. 30

    Im Fall von Paypal ist es ja so, dass diese schon seit einigen Tagen die eingefrorenen Spenden wieder frei gegeben haben.

    Die anderen (Mastercard, Bank of America) waren zwischenzeitlich massiven Protesten ausgesetzt. Wie ist denn da der aktuelle Stand?

  31. 31
    vital

    Hmmm…wir schauen aufmerksam und alles andere als tatenlos dabei zu? Ein guter Vorsatz, den ich nur unterstützen kann. Aber ich befürchte, dass Wikileaks bzw. die Veröffentlichungen eine Eigendynamik angenommen hat, die nicht mehr so schnell zu stoppen, wir erfahren dieses ja fast täglich in den Medien und Foren. Pressefreiheit ja…aber bitte gut recherchiert. Und genau diese Recherche ist von Herrn Assange -vorsichtig gesagt zumindest vernachlässigt worden, obewohl ich es ihm nicht ganz absprechen kann.

  32. 32

    @vital: Ist euch eigentlich klar, wie viel meiner Lebenszeit ich mit solchen manuellen Spam-Kommentaren vergeude? Immer fein den URL irgendeiner Schrott-Seite verlinken, dann einen „Kommentar“ abliefern, der ein bisschen was mit dem Thema zu tun hat und inhaltlich nicht über „einerseits, andererseits“ hinaus kommt… wer die AGB nicht lesen kann, fliegt raus und bekommt eine Rechnung.

    Soll ich den Link wieder reinsetzen? Du bist schon bei ein paar hundert Euro.

  33. 33

    Artikel, der wie Wikileaks selbst mehr Fragen anregt als beantwortet. Würde mich freuen, Herr Häuslers Artikel in einem größeren Printmedium wieder zu begegnen.

  34. 34

    Bessere und oder gar Gerechtere Seiten sind in einigen Ländern nicht erreichbar.

    Soweit ich es verstanden habe gilt das sog. ‚Hausrecht‘.
    Nicht vergleichbar mit der Strassenverkehrsverordnung.

  35. 35

    Mr Assange
    bemüht die selben Mittel, wie sie auch von Blogbetreibern genutzt werden.
    @#777709:
    Aufmerksamkeit zu erlangen ist oberste Priorität.
    Erst danach folgen die Inhalte, die zumeist durch
    Beiträge (Comments) zu neuerlichen Erkenntnissen
    führen.

    SPON
    c’t
    Da möchte ich tlw. bei jedem dritten (rechnerisch)
    Eintrag die Rute schwingen.
    .
    Wann ist nochmal der Termin für die Republica?

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