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Domain-Domänen [Update]

Den Ärger kennt wohl jeder, der sich einmal auf die Suche nach einer bestimmten Domain gemacht hat: Man hat eine hübsche Namensidee, schaut mal eben nach, ob die Webadresse schon belegt ist und findet heraus: Ja, ist sie. Doch benutzt wird sie nicht, sie steht bei irgendeinem Domain-Auktionshaus zur Ersteigerung bereit.

Freie Domains fernab von künstlichen Fantasienahmen sind Mangelware (die jüngste ICANN-Ankündigung über die Zulassung eigener TLDs ab 2012 mag dies ändern, und ich spare schon auf die 125.000 Euro für die Endung „.blick“), noch seltener sind aber anscheinend URL, die auch genutzt werden oder wenigstens nicht allein zum Zweck des Verkaufs reserviert wurden.

Würden nun die Portale, die sich um den Verkauf solcher Domains kümmern, nicht so aussehen, als würde man sich bei ihrer Nutzung Viren- und Phishingattacken sowie Hautausschlag und interessante Kreditkartenabbuchungen einheimsen, dann könnte man das ja mal ausprobieren, den einen oder anderen Euro mag einem ja eine gute Domain wert sein. Meine vergangenen Klick-Versuche bei bestimmten Domainnamen resultierten jedoch meist in derart utopischen Preisvorschlägen, dass ich noch nie eine Domain auf diesem Weg erstanden habe. Bis gestern, als ich tatsächlich 100 Dollar für eine Domain gezahlt habe. Der Weg dorthin ist jedoch eine eigene Niederschrift wert und hinterlässt einen äußerst faden Beigeschmack.
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Geduld

Mist. Schon wieder ein Kind explodiert.

Oder aber der ältere Sohn hat es erneut geschafft, seine Kleidung im Bad als Textilhaufen zu hinterlassen, der den Eindruck vermittelt, es habe die Alien-Entführung eines Minderjährigen stattgefunden und ihn völlig unerwartet aus seinen Klamotten gerissen.

Ja. Das wird es wohl eher sein. Und darüber bin natürlich glücklich, denn ansonsten wäre die Badreinigung ja noch aufwändiger.
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Schildbürger

Stefan Schmidt hat dieses Bild am Berliner Mauerpark gemacht, weitere Fotos gibt es auf seinem Blog. Eine temporäre Behausung direkt hinter einem Werbeschild für neue Eigentumswohnungen – ob es sich dabei um eine Kunst- und/oder Protestaktion oder bittere Realität handelt, wissen bisher weder Stefan noch ich.

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Ich kenne die Kopie

batman

In jungen Jahren war ich MAD-Leser und bis heute bin ich bei einigen Filmen unsicher, ob ich sie damals beim Erscheinen gesehen habe (eher unwahrscheinlich) oder ob ich einfach nur die Persiflage im MAD-Magazin gelesen hatte (sehr wahrscheinlich, ich glaube, für den Exorzist war ich beim Kino-Release mit neun Jahren noch etwas zu jung). Und meine Mutter hat sich immer lächelnd, aber kopfschüttelnd und augenverdrehend abgewandt, wenn ich ihr eine „unglaublich lustige Stelle“ aus dem albernen Heftchen vorlas.

Heutzutage läuft das genauso, nur anders: Heranwachsende werden auf YouTube oft fündig, wenn sie den Titel eines aktuellen Kinofilms plus „Verarsche“ eingeben, um sich dann in Kinderzimmern re-synchronisierte Filmausschnitte ansehen zu können – vorpubertäre Albernheiten, die sie natürlich stolz den Eltern präsentieren. Die sich lächelnd, aber kopfschüttelnd und augenverdrehend abwenden.

Und wer meint, die Kraftausdrücke, die man dabei auf YouTube zu hören bekommt, seien etwas zu heftig… der sollte noch mal in seine alten MAD-Hefte schauen.

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Bemerkenswert

fight

Das Bemerkenswerte an diesem YouTube-Video, in dem zwei sich auf einer U-Bahn-Station prügelnde Frauen zu sehen sind, ist nicht, dass sich zwei Frauen prügeln. Das Bemerkenswerte an diesem Video ist, dass jemand die Frauen, die mit etwas Pech schnell auf den Gleisen hätten landen können, nicht mit Hilfe anderer Fahrgäste auseinander bringt, sondern die Szene stattdessen lieber filmt, ins Internet stellt und bei Reddit darauf hinweist. Das Bemerkenswerte ist weiterhin, dass alle anderen Fahrgäste so lange interessiert zusehen oder sich abwenden, bis endlich eine einzelne Frau eingreift. Erst danach helfen weitere Menschen.

Und das Bemerkenswerte an diesem Video ist weiterhin, dass der Kollegin bei Buzzfeed dazu nichts anderes einfällt als „One girl even tries to pull the pants off the other. Viciousness!“.

Manchmal kotzt mich dieser ganze ach-so-hippe Zynismus einfach nur noch an.

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Schulwechsel in Berlin

Berliner Eltern mit Kindern, die kurz vor dem Verlassen der Grundschule stehen, wissen anhand des Titels sofort, wovon ich rede. Für alle anderen mag die Situation jedoch auch interessant sein, denn sie zeigt, in welchen Bildungsmiseren wir stecken.
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Jetzt mit modernster Technologie gezielt an mir vorbei werben!

Werbung im Netz, das behaupten die Anbieter von Werbe-Technologien, ist so effektiv, weil der Kunde so transparent ist. Wir wissen, was die Kunden wollen, versprechen sie, denn das Profil eines Internet-Nutzers (auf welchen Seiten er sich bewegt, welche Produkte er sich ansieht) lässt eindeutige Rückschlüsse auf seine Interessen und Bedürfnisse zu – auf welche die Werbeindustrie dann gezielt eingehen kann.

Das klingt plausibel. Und ist in der Praxis nichts als Blödsinn.
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Liebes Internet-Tagebuch

Heute konnte ich über eine Stunde länger schlafen, nämlich bis halb acht. Am Frühstückstisch gab es ein wenig Streit, weil halb acht trotzdem keine Zeit ist, zu der Menschen aufstehen sollten, die bis 1 Uhr noch die letzte Folge der zweiten Staffel von Misfits geschaut haben.

Wir haben dann aber bald mit dem Streit aufgehört, denn er war doof. Um 9 Uhr bin ich zusammen mit Tanja im Büro angekommen und stellte fest, dass unser Internet-Zugang nicht funktionierte. Als Fred, Philipp und Christoph zur Redaktionssitzung um 10 Uhr ankamen, konnte ich kurz ein Video posten, dann ging wieder gar nichts. Ich telefonierte mit der Telekom, die keine Störung der Leitung feststellen konnte. Da das WLAN tadellos lief, vermutete der Techniker ein Problem mit dem Router. Weil wir in den letzten Wochen oft Stress mit dem Router hatten und ihn dauernd neu starten mussten und er außerdem viele Jahre alt ist, fuhr ich um 11 Uhr los und kaufte einen neuen Router, der viel teurer war, als ich gehofft hatte, aber dafür Dinge kann, die wir nicht brauchen.

Gegen halb eins kam ich dann mit dem Router in einer Plastiktüte ins Büro zurück, machte den doofen Witz mit „hat jemand eine Tüte Internet bestellt?“ und schloss den neuen Router an. Gegen halb zwei hatte ich auch die Zugangsdaten unseres Internet-Anschlusses gefunden und konnte sie eingeben. Gegen zwei Uhr stelte ich fest, dass es nicht am Router lag. Dann holte ich die sehr hohe Leiter aus der Kammer und tauschte drei Glühbirnen aus, die nicht mehr glühten. Danach rief ich erneut bei der Telekom an. Diese stellte fest, dass eine Störung der Leitung vorliegen könnte. Er probierte dann aber sicherheitshalber noch ein paar andere Messungen aus und stellte fest, dass keine Störung der Leitung vorliegt. Er gab den Fall aber weiter an andere Techniker, die sich noch besser auskennen und die noch bessere Messprogramme haben als er. Die wollen mich vielleicht heute noch zurückrufen und mir sagen, ob eine Störung der Leitung vorliegt. Bis dahin tippe ich ein paar Zeilen in meinem Texteditor, vielleicht kann ich die ja später übers iPhone in mein Internet-Tagebuch stellen. Also in dich, quasi. Hihi.

Fred und Christoph und Philipp sind nach Hause gegangen, denn dort gibt es mehr Internet als hier. Wahrscheinlich gucken sie tolle Internet-Videos oder lesen etwas über die Ungerechtigkeit der Welt, während ich darauf warte, dass mich der Techniker zurückruft, der weiß, ob eine Störung der Leitung vorliegt.

Wenn keine Störung der Leitung vorliegt, weiß ich nicht, was aus uns werden soll, liebes Internet-Tagebuch. Ich bin darum etwas verzweifelt. Vielleicht schreibe ich den ganz langen Artikel weiter, den ich vorgestern angefangen habe und den ich zum Glück nicht im Internet gespeichert habe. Oder ich schneide ein Video. Oder mache ein paar Fotos.

Aber vielleicht ruft er ja auch gleich an, der Techniker.

Der Tag ist ganz anders, als ich geplant hatte, vielleicht hätte ich doch früher aufstehen sollen. Dieses ist der drittlangweiligste Internet-Tagebuch-Eintrag, den es auf der ganzen Welt gibt.

Wusstest du, liebes Internet-Tagebuch, wieso es diese chinesischen Glückskekse gibt? China war im 13. Jahrhundert von den Mongolen besetzt und diese mochten die eigentlich mit Lotuspaste gefüllten, mondförmigen Kekse so richtig gar nicht. Wenn so ein Keks herum lag, konnte man sicher sein, dass sich kein Mongole einen nimmt. Weshalb die chinesischen Widerstandskämpfer dann Botschaften darin versteckt und die Kekse im ganzen Land verteilt haben. Das war quasi wie Internet, aber noch langsamer als hier gerade, und mit einer Art Verschlüsselung. Aber vielleicht stimmt das auch alles gar nicht.

Oh. Das Telefon klingelt!

UDPATE War nicht der Techniker.

UPDATE 2 Er hat immer noch nicht angerufen. Aber ich hatte die Kommentare versehentlich abgeschaltet. Hatte mich schon gewundert, dass noch niemand gesagt hat, dass dies ist der drittlangweiligste Internet-Tagebuch-Eintrag ist, den es auf der ganzen Welt gibt!

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Going underground: New York von unten

duncan

Andrew Wonder hat eine sehr spannende Dokumentation über Steve Duncan gedreht, der sich wie wahrscheinlich wenige andere im New Yorker Untergrund auskennt und uns nach dem Klick durch U-Bahn-Schächte und Abwasser-Kanäle führt. Ebenfalls hochinteressant: Der Artikel in der NYT dazu.
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2011

2011

Frohes Neues Jahr Euch allen!

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!!!1111!

Gestern hab ich die Kategorie „Scherzartikel“ erfunden.
Danke, Danke.
Aber wir sind hier nicht in Düsseldorf und also hat’s dann doch nur zu einem Solidaritäts-Posting gereicht.
Helau, Alaaf, ihr Narren!

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There is no ‚we‘ in iPhone, boys!!!

Neulich war mein iPhone kaputt.
Dachte ich.
Alle Apps bis auf eines waren weg.
Dachte ich.
Aber dann, zum Glück, hab ich sie doch alle wieder gefunden. Sie befanden sich einfach nur nicht mehr gebündelt auf dem Startscreen, sondern verteilten sich auf 37 Seiten, immer eine pro App, beginnend mit „P.v.Z.“.
Das ist besonders lustig, wenn die Kontakte auf Seite 34 liegen und man also –ich erklär’s kurz für Menschen mit Telefon– 34 Mal über den Touch-Screen wischen muss, bis man endlich dorthin gelangt, wo z.B. die Telefonnummer der Freundin lagert, die man schon vor 12 Minuten vom Bahnhof abzuholen versprochen hatte.
Ha. Ha.
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